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Überlegungen zu Sozialisation und Kontakten, auch zu informellem Lernen ...
"Immer gabz schön wachsam sein und es auch bleiben."
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr)
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Schule als Erlebnisraum
Und weil es für manche vielleicht hilfreich sein könnte, so manchen Blick zu schärfen verhilft, gar eine Entscheidungshilfe für so manche Überlegung sein könnte, hier noch zu einigen ganz speziellen "Erlebnissen" im "Erlebnisraum Schule", also nichts wie hin zu den Unterseiten:
Wo zwei zusammenstoßen, siegt der Besonnene. (Laotse)
Ein heiterer Tag ist wie ein grauer, wenn wir ihn ungerührt ansehen. (Johann Wolfgang von Goethe)
Eine eindimensionale Betrachtung von "Schule" als Lerninstitution, staatlich vorgegeben, wurde eigentlich nur von jenem Typus betrieben, den eine eigene "Eindimensionalität" im Denken und Tun kennzeichnet. Allerdings dürfte außer Zweifel stehen, daß so manche Schule sehr dazu beiträgt, die Entwicklung zu einem "Eindimensionalen Mensch" (Herbert Marcuse) zu unterstützen und so die Herrschaft "Mächtiger" abzusichern. Ziel sollte jedoch sein: Mündigkeit, Eigenverantwortung, soziale Tugenden sowie die Anbahnung von "Basiskompetenzen". Wen "Schule" sicherlich nicht zum Ziel haben kann, das ist der "Trottel", das ist der "Subalterne", das ist ein Mensch, der besonders auch durch ein Übermaß an Fremdattribuierungen auffällt: sprich, für ein eigenes Versagen und Scheitern stets ausnahmslos andere, niemals aber sich selbst (das gilt gleichermaßen für die Erziehungsberechtigten!) verantwortlich zu machen. Bei diesem Personenkreis gilt ausnahmslos nur eines: die Schule, die Lehrkräfte, die externen Umstände sind stets schuld, wenn etwas nicht klappt, nicht so läuft. wie es laufen sollte.
Ein Problem bei der jeweils subjektiven Definition und Bewertung von "Schule" und Lehrkräften dürften dabei auch die eigenen, früher in und mit Schule gemachten Erfahrungen sein. Natürlich nicht zu vergessen: die jeweils oberflächliche Beschäftigung (oder gar Nichtbeschäftigung!) mit den diversen Hintergründen und Abläufen im schulischen Alltag. Da kenne ich einen, der sich grundsätzlich weigert, Schulgebäude überhaupt noch zu betreten, Gespräche, wenn es nur irgendwie geht, außerhalb des Schulbereichs zu führen (eine Zumutung für die Lehrkräfte ist das aus meiner Sicht, und man sollte solchen Ansinnen nicht nachkommen!). Da kenne ich eine, die sich für "hochbegabt" hält und ausgibt, alles besser zu wissen faktisch betont, die massenhaften Erziehungsfehler im eigenen Bereich der Schule anlastet (in der Psychologie ist dieses Phänomen als "Rationalisierung" bekannt ..., die Dinge eben so zu verdrehen, zurechtzurücken, wie es dem eigenen Bedürfnis und Gusto eben genehm ist), dabei natürlich auch nicht vor Bösartigkeiten, Angriffslust und Diffamierungen sowie Unterstellungen zurückschreckt, ganz im Gegenteil, sich in diesem Verhalten geradezu suhlt. Blickt man auf die Biographie jener Frau, dann sieht man sehr bald: weder damals in ihrer Schulzeit noch später in ihrem Erwachsenendasein hat sie (zumindest) bislang groß (oder auch nur bescheiden) etwas auf die Reihe gebracht. Diese zwei Beispiele sind natürlich -- auf die Masse bezogen -- Ausnahmen, gleichwohl nimmt die Zahl jener, die eigenes Versagen und Unzulänglichkeiten in der Erziehung der "Schule" anlasten, dies ausnahmslos. (Ich will damit keineswegs behaupten, in der Schule werden überhaupt keine Fehler gemacht, schon gar nicht, daß "Schule" so ausgestattet ist, daß sie auch all die ihr -- adminstistrativ, politisch und vom sozialen Überbau -- übertragenen Aufgaben auch wunsch- und vorstellungsgemäß erfüllen könnte. Fakt ist: "Schule" wird gegenwärtig von der "Gesellschaft" weit überfordert, dies mit steigender Tendenz! Und das sollte man sehen, begreifen, ihr vor allem nicht zur Last legen, wenn Formen von Wunschdenken sich nicht erfüllen ...)
Schule ist eben nicht nur ein (auf vorgebene Curricula) begrenzter "Lernraum", sondern vor allem auch ein breitgefächertes Erfahrungsfeld, das vor allem auch persönlichen Austausch im Sinne von informellen Lernen erfaßt, eine Vielzahl von Begegnungen und Herausforderungen eigentlich tagtäglich bedeutet, ein soziales Umfeld, in dem (auch wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen) Freud und Leid immer wieder aufkommen und an einen Herausforderungen stellen.
Besonders nach den zahlreichen Schulschließungen während der Corona-Pandemie wurde vielerseits betont, daß Schülern und Schülerinnen (übrigens wenn ich häufig nur das Makulinum verwende, sind bezüglich Personen immer auch die weiblichen einbezogen, also mitgedacht, mitgemeint!) dadurch Entwicklungsmöglichkeiten verwehrt wurden, daß gerade für die Jugend Begegnungen, somit Sozialisation wie auch Enkulturation äußerst eingeschränkt waren, daß ihnen geradezu ein "Teil Leben" genommen wurde. Ich halte das vielfach übertrieben (hier wird allzu oft plötzlich die immer wieder so verteufelte Schule als Alibi für die Unfähigkeit zu eigener Gestaltungsweisen mißbracht ...), aber es stimmt schon: Schule ist ein sehr umfassender Handlungsraum, der weit über das reine "Klassenzimmerdasein" sich erstreckt. Dies hat auf eine sehr hervorragende und auch nahezu vollständige Weise ein Autor in einer (übrigens sehr guten, umfangreichen) Zusammenstellung von Songs über das Schuldasein (natürlich da viel über Liebe und Enttäuschung, über Freude und Last, etc.), zwar bezogen auf die amerikanischen Highschools, jedoch durchaus übertragbar auf unseren "Schulalltag", beschrieben: "High School -- A Parallel Universe. School days -- some reminisce jubilant, some grudgingly. Some of us hated it immediately, some loved it right away. Most of is. however, might have been ambivalent, experiencing the whole gamut: love, hate, fear, awkwardness, intimidation, affirmation -- you name it. (...) A sphere exclusive to the teenager was school: Here, they were all tossed in together, revolving around each other, clashing against each other, experiencing complex interactions like chemical attraction and repulsion, forming clusters, formations, new order, or sheer chaos." (Roland Heinrich Rumtreiber, School is out!, Textbeitrag zur CD School House Rock, Vol.2, School is out!, Bear Family Records, 2024, BCD 17681) Derselbe Autor hat sich bereits im Booklet der Family Bear Records CD BCD 17668 (School House Rock, Vol. 1, School is in!) ähnlich und ergänzend geäußert (dies u.a. auch mit Blick auf die Konsumgesellschaft): "The teenager became the center of this little universe (i.e. "Schule", d.V.) revolving around an ever-glowing sun of self-importance. In reality, the universe was a microcosm in correlation with other orders." Und dieser Mikrokosmos (wenn man ihn mit Blick auf das große soziale Umfeld so bezeichnen möchte) wirkt heutzutage insofern nicht anders, als all die vereinenden und bisweilen auch trennenden Kräfte weiterhin ihre Wirkung auf die Jugendlichen zeitigen. Und was das Intersse der Konsumanbieter an den Jugendlichen angeht, ist dieses heutzutage gegenbüber den 50er- und ihnen folgenden Jahren eher noch größer, weil viel umfangreicher, geworden. Auch sind gewisse Probleme durch Integrations- und Inklusionsaufgaben in einem kaum noch zu bewältigenden Umfang hinzugekommen. Ebenfalls macht es die faktische Weigerung oder Unfählgkeit vieler Eltern (auch hier leider zunehmend!), ihre eigentlichen Erziehungsaufgaben richtig und kosequent wahrzunehmen, was letztlich zu fehlender Unterstützung bei schulischen Lehr- und Lernprozesen führt, der Schule und den Lehrkräften nicht einfacher, in vielen Fällen sogar unmöglich, der eigentlichen Aufgabe nachzukommen.
Ich fasse zunächst einmal zusammen: Schule war und ist ein enorm umfangreiches Lernfeld, vor allem auch mit entsprechenden informellen Angeboten. Besonders für die Schüler ist die Bandbreite für soziales Erleben und Lernen grundsätzlich sehr umfassend, problemlos, störungsfrei war dies noch nie (wie man aus seiner eigenen früheren Schulzeit wissen dürfte), ist aber in den letzten Jahren immer herausfordernder (dies nicht unbedingt in einem positiven Verständnis!) geworden. Schule von heute dürfte auch ihren (früher doch recht anders gearteten und direkten) Einfluß auf die Schüler sehr verändert haben; dies nicht nur wegen der zugenommenen anderen außerschulischen Angebote und Wirkungen für das Sozialisationsgeschehen, sondern auch durch eine zunehmende Delegationssucht (von Eltern und Schülern) , sich auf diese Weise dann vor eigener Verantwortung und Leistung zu trennen und für das daraus sich ergebende Scheitern andere verantwortlich zu machen (Fremdattribuierung!). Wer also wirkliches Interesse daran hat, schulisches Arbeiten und (Er-)Leben wieder auf ein fruchbringenderes Maß (damit auch die Möglichkeiten zu friedvolleren, sichereren und auf wirkliche Vielfalt, positive Anregungen bereitstellende "Schulereignisse") zu führen, der muß zunächst all die gegenwärtigen Hindernisse für effektives schulisches Arbeiten und Wirken beseitigen, zumindest aber reduzieren. Mit Wunschdenken und Sonntagsredenbekenntnissen wie auch mit Versuchen, Mängel euphemistisch zu umschreiben, ist hier nichts zu gewinnen ... Der unselige merkelsche Satz "Wir schaffen das" wird zu einer Makulatur, sofern man nicht die Bedingungen der Möglichkeiten für Veränderungen zunächst schafft. "Schule" muß vor allem aber wieder befreit werden: von der Definitionsmacht des Elternwillens u.ä., von der Überfrachtung mit nicht mehr lösbaren Aufgaben; und zudem muß man Lehrkräften stets eine wirksame, zielführende Unterstützung leisten, wenn diese in ihrer Arbeit beeinträchtigt oder gar angefeindet werden!
Zur Offenlegung meines eigenen ideologischen Hintergrundes (nota bene: den hat jeder, auch wenn die allermeisten Menschen dies nicht wahrhaben wollen -- sei es, daß sie sich dessen nicht bewußt sind / sein können, sei es, daß sie ihn ganz bewußt nicht offenlegen wollen, z.B. um ihre tatsächlichen Interessen zu verschleiern), berichte ich zunächst aus meinem eigenen schulischen Sozialisationskontext. In der Grundschule (ich besuchte sie vier Jahre lang) waren wir stets um die 50 Schüler (Mädchen gingen damals noch auf Mädchenschulen!), Zu- und Wegzüge gab es kaum. Trotz der doch sehr großen Schülerzahl hatten wir bei allen Lehrkräften das Gefühl, daß sie sich sehr intensiv auch um das Individuum kümmern konnten, dies auch taten. Das lag vor allem -- neben ihrer pädagogischen Kompetenz -- daran, daß damals die Eltern weitestgehend die Schule in ihrer Arbeit unterstützten, die Hausaufgaben ihrer Kinder kontrollierten bzw. dafür sorgten, daß sie erledigt wurden und daß es weitgehend Konsens über grundlegende Verhaltensweisen sowie Disziplin auf allen Seiten gab. "Helikoptereltern" sowie "Gluckenhaftigkeit" und andere die Entwicklung zur Selbständigkeit hinderliche Verhaltensweisen gab es so gut wie keine. Was den Elternwillen hinsichtlich Schulentscheidungen und weiterführende Bildung angeht, so bestand der allenfalls darin, daß die Eltern ihre Kinder mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu einem entsprechenden Lernverhalten anhielten.
Kinder mit Lernbehinderungen besuchten dabei ausnahmslos besondere Schulen, die leider durch die damalige Begrifflichkeit "Hilfsschule" allein schon innerhalb der Gesamtgesellschaft einen diffamierenden Aspekt beinhalteten. (Wer mag es schon hören bzw. erzählen, daß sein Kind auf die allgemein negativ assoziierte "Hilfsschule" gehe ... Aber damals wurde das eben so hingenommen, Gott sei Dank zeigte gerade auf diesem Gebiet die weitere Entwicklung dann auch auf diesem Gebiet entscheidene Fortschritte: dies über "Sonderschule" bis über "Förderschule" hin zu "Sonderpädagogischen Förderzentren", also "Kompetenzzentren für Sonderpädagogik und ein alternativer Lernort zu allgemeinen Schulen. Hier werden insbesondere Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet, gefördert und individuell begleitet." Ich halte es nach wie vor sinnvoll, daß ein Kind, ein Jugendlicher, schulisch dort am besten versorgt werden kann, wo seinen individuellen Möglichkeiten man optimal gerecht werden kann. Leider ist diese Zielsetzung mittlerweile durch eine Art von Wunschdenkenpädagogik enorm verwässert worden! Ein Grund hierfür ist die eigentlich human gesehen sinnvolle Orientierung an Inklusion. Diese macht jedoch nur dann Sinn, wenn erstens ein Kind bei Inklusionsmaßnahmen nicht permanent Versagenserlebnisse aushalten muß und wenn zweitens die unbedingt notwendigen Bedingungen für mögliche Inklusion erfüllt werden können. Beides ist in der Regel gegenwärtig leider jedoch nicht der Fall, ganz im Gegenteil, hier fehlt es an allen Ecken und Enden. Pädagogisch gesehen (um nur diesen schulischen Aspekt anzusprechen) macht es keinen Sinn, ein Kind nicht dort zu fördern, es aufwachsen zu lassen, wo es entsprechend eines Handicaps / Nachteils individuell zu fördern ist. Der Gedanke, alle Menschen mit den unterschiedlichen Voraussetzungen aller Menschen tagtäglich begegnen zu lassen, ist -- theoretisch gesehen! -- zwar gut und edel, wirkt jedoch zumeist kontraproduktiv (also nicht der Inklusion dienend, was grundsätzlich auch auf die Integration zutrifft!) und schafft eher mehr Frustration für entsprechend Betroffene als daß diese Versagenserlebnisse gemindert werden. Die Folge davon läßt sich unschwer absehen.
Ebenso ergeht es Kindern / Jugendlichen, die nach Elternwillen "unbedingt auf ein Gymnasium" müssen, dort aber dann jämmerlich scheitern und bis dahin tagtäglich ein Unzulänglichkeitserleben nach dem anderen durchmachen -- dann (bei entsprechend betuchten Eltern) auch trotz Nachilfeakrobatik wieder weiter unten landen und damit den entsprechenden Frust zu kompensieren haben. [Ich kenne ein paar Fälle, die zeitlebens gerade unter diesem Gymnasialversagen gelitten haben und immer wieder die kuriosesten Kompensationseskapaden zeigten!] Dieser Gymnasialwahn ist leider allerdings auch Folge dessen, daß in unserere Gesellschaft die handwerkliche Tätigkeit -- trotz ihrer gesellschaftlichen Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit -- gegenüber gymnasialer Bildung und Studium als nachrangig, gar als minderwertig, behandelt wurde. Aber auch das hat sich in den letzten Jahren -- nochmals: Gott sei Dank! -- gewandelt, immerhin gibt es nun auch das Meister-BaföG sowie fast alle sehen gerade in Zeiten des Mangels an handwerklichen Facharbeitern, wohin eine Gesellschaft mit reiner Orientierung am "geistorientierten Werdegang" dann Mangel leidet. [In diesem Zusammenhang sei betont, daß erstens gerade auch handwerkliche Berufe ohne geistige Anstrengungen nicht gelingen und daß zweitens die steigende Anzahl von Abiturienten, besonders auch derjenigen mit einem sogenannten Einser-Abitur nicht unbedingt auf "großen Geist" schließen läßt, wie es die große Anzahl der Studienabbrecher beispielsweise zeigt ...]
Zwischenbemerkung: Übrigens kann ich mir diese kritische Aussagen durchaus erlauben, denn ich habe sowohl den handwerklichen Bereich (abgeschlossene Bergmannslehre) als auch den akademischen (Magister und diverse Studiengänge) hinreichend kennengelernt und beides mit der notwendigen Anstrengungsbereitschaft erfolgreich durchlaufen.
Wenn nun heutzutage sich qua Elternwillen dieser gegenüber den Einschätzungen von Fachkräften (in der Schule) hinsichtlich Allokation durchsetzen kann, ist sicherlich etwas falsch gelaufen! Die Zahl der Abbrecher, Versager und bisweilen auch Abschlußlosen macht dies ebenfalls deutlich.
In diesem Zusamenhang ein Blick zurück (ja, nicht selten lohnt er sich!): Um früher auf ein Gymnasium zu gehen (meist geschah das nach der vierten Jahrgangsstufe), mußte zunächst das Grundschulzeugnis den entsprechenden Schnitt haben. Mit diesem wurde man dann zu einer mehrtägigen Aufnahmeprüfung am Gymnasium zugelassen und erst wenn man diese bestanden hatte, erfolgte die Zulassung zum Gymnasiuum. Der Anteil der Eltern dabei? Sie hielten ihre Kinder zum Lernen an, standen im entsprechenden Kontakt mit den Lehrkräften und sorgten für konstruktiver Verhaltensweisen, um im entsprechenden Kontext mithalten zu können. Mit Erziehung zum Mitläufertum o.ä. hatte dies sicherlich nichts zu tun, es war einfach der Einsicht geschuldet, daß für einen Erfolg gewisse Vorausssetzungen erfüllt sein müssen und daß diese auch ständig zu leisten sind. Man sollte also wieder über Aufnahmeprüfungen nachdenken, vielleicht ist damit mehr gewonnen als durch die gegenwärtigen ungeordneten Vorgangsweisen. Die Hoffnung, daß dies geschieht, ist allerdings bei mir gering, denn ich kann mir gut den Aufschrei von vielen Seiten, gerade auch aus dem inflationär vermehrten Zirkel jener, die in den sogenannten Geisteswissenschaften tätig sind, vorstellen. Bleibt aber alles beim alten, dann wird man eben weiterhin mit den gegenwärtigen Miseren und der Unordnung weiterleben müssen. Wenn man so manche Eltern heutzutage in ihrem "Erziehungsverhalten", wenn man auch so manche administrative und politische Maßnahme als Spiegelung von Wunschdenken erkennen kann, dann dürfte da nicht allzu selten die folgende Aussage Molières zutreffen ...
Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.
Molière (Jean-Baptiste Poquelin)
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Aber man sollte nicht einseitig bleiben und verkennen, daß es auch sehr viele am Erziehungsgeschehen der Jugendlichen Beteiligte gibt, die auf diesem Feld verantwortungsvoll und auch erfolgreich tätig sind. Diese Erkenntnis ergibt sich gerade auch im Kontext von "Schule" von den Begegnungen, Gesprächen und Handlungen. Hieraus ergibt sich für alle darin / daran Beteiligten eine enorme Sozialisationswirkung: die Frage ist nur, inwieweit man bereit (bei vielen leider auch: fähig!) ist, dies erstens zu erkennen und zweitens dann auch in jeweils eigene Denk- und Handlungsweisen umzusetzen. Man sollte hier nicht ausschließlich "heiter", schon gar nicht seufzend / schimpfend "grau" als die eigene Befindlichkeit kennzeichen (siehe oben Goethes Spruchweisheit), man sollte auch stets sich um "Besonnenheit" bemühen (siehe oben Laotses Aussage) und sich stets dessen bewußt sein, daß vor jedem Erfolg die eigene Anstrengungsbereitschaft als auch damit verbunden bisweiliger Verzicht auf die eine positive Lernentwicklung vielfach störenden Ablenkungen notwendig werden und sind! Kurz: Ohne Fleiß, kein Preis gilt gerade auch in schulischen Prozessen und sollte dementsprechend auch kenntlich gemacht werden. Dazu gehören dann auch die entsprechenden ehrlichen Bewertungen von Fleiß bzw. von Faulheit, von Engagenmeent bzw. von Gleichgültigkeit. Es sollte eigentlich überhaupt nicht schwerfallen, stetes die Spreu vom Weizen zu trennen, sowohl auf Schüler- und Elternseite als auch, was alle anderen Beteiligten (inklusive Bildungsforscher und jene für Bildungsangelegenheiten in der Administration und Politik Tätigen) angeht ... Leistung und Nicht-Leistung müssen zukünftig wieder ganz deutlich benannt werden dürfen! Mit euphemistischen Umschreibungen, beschönigtem Fehlverhalten (man denke nur an Begriffe wie "inselhafte Begabung", "originelles Verhalten", etc. zur Umschreibung von nicht ausreichenden Verhaltensformen!) sowie der Blindheit gegenüber Realitäten ist -- gesamtgesellschaftlich gesehen -- niemandem gedient.
Kinder / Jugendliche auf deren eigene Gestaltung individueller Zukunft vorbereiten ... (Der Irrtum zahlreicher Erziehender bei dieser Zielsetzung!)
Tatsache ist: Heranwachsende sollten zu möglichst großer Selbständigkeit erzogen werden, dies jeweils der persönlichen Entwicklungsstufe angepaßt. Man muß den Gefahren möglicher Orientierungslosigkeit etwas dagegen setzen. Aktuelle Meldungen bestätigen beispielsweise immer wieder auch dies: zunehmend haben Kinder und Jugendliche haben mehr oder weniger große psychische Probleme. Es kann doch nicht unbeantwortet bleiben, wenn das "DAK-Präventionsradar" feststellt, daß jede siebte (!) minderjährige Person depressive Symptome aufweist und jede dritte sich einsam fühlt. Da läuft offensichtlich etwas gründlich schief.
Ein kontraproduktives Verhalten ist es sicherlich, wenn man Kinder die Möglichkeiten, Erfahrungsfelder durchzuleben einschränkt oder gar nimmt. Diesbezüglich sollten sich die sogenannten "Heliokopter"-Eltern angesprochen fühlen: im Glauben, ihren Kindern etwas vermeintlich Gutes zu leisten, behindern sie eher deren Entwicklung zu einer möglichst selbständigen und verantwortungsvollen Persönlichkeit. Man muß Kinder ihre formell und informell offenstehenden Lernfelder lassen! Dies ohne ein ständiges "Dazwischengrätschen", "Bemuttern" und "Überbehüten". Wer einem Menschen versucht, alle Probleme aus dem Weg zu räumen, trägt sicherlich nichts zu dessen positiver Entwicklung bei.
Zu einem dieser möglichen Lernfelder gehört beispielsweise auch der Schulweg mit seinen vielen Erfahrungsmöglichkeiten. Ich selbst habe das an eigenem Leib erfahren können, mein Schulweg war knappe zwei Kilometer lang, das ganze Jahr über habe ich ihn letztlich gerade wegen der vielen dort gemachten Erlebnisse, Begegnungen und Herausforderungen summa summarumg positiv erlebt, anfangs zu Fuß, später dann mit dem Fahrrad. Dabei verlief der Hinweg zur Schule meist etwas kürzer / schneller, auf dem Rückweg dauerte es oft dann etwas länger -- wegen bewußten Trödelns, wegen erlebter Ablenkungen, wegen relativer Offenheit bezüglich Zeitbindung. Aber wie läuft es heutzutage in zu vielen Fällen ab: Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto direkt vor die Schule, würden sie wohl am liebsten noch ins Klassenzimmer hineinfahren, nehmen den Kinder so eine eigentlich positive Möglichkeit, sich mit weiteren eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Daß jene Eltern dabei noch häufig eine Verkehrsgefährdung vor den Schulen hervorrufen, scheint ihnen in ihrem eindimensionalen Blick offensichtlich egal zu sein. (Sie können / wissen es eben nicht besser ...) Darüber hat Prof. Dr. Rudolf Egger, Professor für Pädagogik am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz, Fachbereichsleiter Empirische Lernweltforschung, geforscht und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: "Was hängt eigentlich am Schulweg, wenn immer weniger Kinder quasi einen selbstgestalteten Schulweg haben - wie hängt es dann mit dem Erleben der Umwelt, mit dem Erlernen von Demokratie, mit dem Erlernen des Miteinander - wie hängt das zusammen? (...) Und je älter das Kind wird, desto größer ist natürlich der [ihm einzuräumende, d.V.]Spielraum. Je mehr wir es behindern, desto weniger kann es das Gefühl aufbauen: Ich kann etwas schaffen. Vielleicht nicht beim ersten Mal, vielleicht beim zehnten Mal. Also es hat sehr viel zu tun mit Selbstvertrauen, ja, aber auch mit Selbstwertgefühl." Egger sieht auch dies: Daran, wie Kinder zur Schule kommen, lasse sich ablesen, wie sich die Gesellschaft und auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind in den vergangenen Jahrzehnten verändert hätten. Und er stellt weiter, offensichtlich diese Veränderung begründend, fest: "Kind ist natürlich Statussymbol Nummer eins, also für den Großteil der Eltern – hängt natürlich von der sozioökonomischen Situation ab – ist Kind Identifikationsmerkmal. Also Kinder werden immer wichtiger, Kinder sind ganz wesentliche Elemente der eigenen Lebensplanung, und auf der anderen Seite hat sich das auch eben durch die strukturelle Berufstätigkeit auch verändert, diese Beziehung, wo wir eben vieles organisieren müssen. Und man ist froh, wenn die Kinder hinten im Auto eben zugestöpselt sind. Weil da kann man sich selber konzentrieren, was man alles zu tun hat." (Quelle: Susanne Hofmann, Radiowissen, BR 2, vom 10.09.2024: "Der Schulweg – früher und heute, hier und anderswo"). Ergänzend und diese Lernmöglichkeit ebenfalls betonend, weist Malte Pfau, Campaigner für Bildung der Kindernothilfe auf dieses Faktum: "Für viele Kinder ist das ja auch nur der einzige unbeobachtete Moment, den sie am Tag haben – die Schule ist wahnsinnig streng, das Elternhaus ist wahnsinnig streng. Im Elternhaus sind die auch voll eingebunden. Das ist ja nicht so, dass sie da irgendwie ihr eigenes Zimmer haben, sondern auch häufig ist das irgendeine Lehmhütte, wo man irgendwie zu acht in einem Raum wohnt. Das heißt, dieser Schulweg ist ja für die so der einzige Moment am Tag, wo sie vielleicht auch für sich mal mit anderen Kindern Quatsch machen können oder so ein bisschen, ja, Kind sein können." (ebd.) So mancher wird nun sagen, ach, da werden die Möglichkeiten, die sich auf dem Schulweg ergeben völlig übertrieben, die dort vorherrschenden Gefahren jedoch gänzlich ausgeblendet. Ich sehe eine derartige Haltung als falsch, denn erstens gibt es Gefahren überall und man muß eben auch (möglichst auf eine behutsame, beherrschbare Weise) lernen, damit umzugehen und zweitens (und das weiß ich nicht nur aus eigener Erfahrungen meines damaligen Schulweges!) ist der Schulweg keineswegs einer zu bagetellisierenden Eindimensionalität unterworfen, sondern bietet eine reichliche Fülle von Begegnungs- und Auseinandersetzungsarten, die helfen, einen Menschen weiter reifen zu lassen ... Dieses (zusätzliche natürliche) Angebot sollte man nicht ungenutzt lassen!
Es ist äußerst bedenklich, wenn junge Menschen orientierungslos sind und bleiben. Andreas Hillert, Chefarzt der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee und Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, stellt fest, daß viele seiner jungen Patienten "eine gewisse Orientierungslosigkeit" aufwiesen: 50 Prozent antworteten auf die Frage, was sie nach dem Schulabschluß vorhaben, mit "keine Ahnung". Dabei bieten Schulen heutzutage gerade für berufliche Perspektiven durchaus breitgefächerte Angebote, sowohl in praktischer als auch in theoretischer Hinsicht. Es fehlt allerdings zu oft an der Bereitschaft der Jugendlichen, sich den schulischen Angeboten entsprechend zu öffnen, daran konstruktiv mitzuarbeiten. Auch seitens der Eltern fehlt es bisweilen an entsprechendem Engagement und zielgerichteter Unterstützung. Das alles ist sicherlich auch ein Resultat falsch gesetzter Prioritäten; das Leben besteht eben nicht nur aus "Fun", "Freizeit", "Shopping", "Chillen", u.ä.m. ... Diesen Gedanken wirft auch Andreas Hillert auf: Diese Orientierungslosigkeit (von Jugendlichen, d.V.) dürfte häufig auch ein Ergebnis individualistischer Erziehungsmodelle und Verhaltensweisen der Eltern sein." So sei eine Einstellung von Familie und Umfeld, die in der Erziehung und im Erlebniskontext einem Motto "Egal, was du tust -- Hauptsache, du bist glücklich" folgt, kontraproduktiv wenn man dabei die Intergration in gesellschaftliche Strukturen vernachlässigt. Zu einem erfüllten Leben gehöre als notwendige Voraussetzung (freilich ist damit noch nicht die hinreichende bereits garantiert!), daß man individuelle Wünsche und Möglichkeiten mit dem, was in der jeweiligen Gesellschaft gebraucht (und ja auch bezahlt!) wird, "zu einer tragfähigen Passung bringt". Hillert betont: "Jedem Kind sollte das Werkzeug an die Hand gegeben werden, seine Resilienz zu stärken." Dies erfordere die Kooperation zwischen den "Hilfesystemen, insbesondere Kita, Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen -- aber auch die Eltern." Eltern müssen ihren Jugendlichen "Orientierung statt unbegrenzter Freiheit" vermitteln, also auch die "Bedeutung von Verantwortung und Struktur im Leben." Nur so werde ein Bewußtsein für die Notwendigkeit, sich realistische Ziele zu setzen -- und Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen, geschaffen. Dies hat nichts mit Unterwürfigkeit an gesellschaftliche Vorgaben oder gar mit unkritischer Akzeptanz gesellschaftlicher Zwänge zu tun, sondern ist ein Gebot zur Entwicklung von Mündigkeit und Eigenverantwortung. Für Dummheiten, Naivität und Wunschdenken sollte es hier keinen Platz geben! Aufschlußreich ist es sicherlich -- auch wenn das sehr extreme, leider nicht allzu seltene Fälle sind --, wenn man auf die Frage nach zukünftigem beruflichen Dasein die Antwort "Influencer" resp. "Influencerin" zu hören bekommt. Mir wurde seinerzeit bisweilen auf diese Frage mit "Rapper" geantwortet -- von Mädchen kamen derartige Wünsche / Vorstellungen nicht. (Übrigens jene mit dem Rapper-Wunsch waren, um es gelinde zu sagen, nicht gerade jene mit mehr als allenfalls rudimentärer Substanz ...) Hillert weist auch auf die Vorbildsfunktion von Eltern hin; dazu gehöre auch positive Aspekte aus dem eigenen Alltags- und Arbeitsleben den Kindern gegenüber zu vermitteln, zu erklären, deutlich zu machen.
Wenn die Eltern da den Kinder nämlich schon keine guten Vorbilder sind (z.B. stets jammern und klagen, Notwendigkeiten leugnen, rundum meckern, etc.), ist kaum zu erwarten, daß sich die Jugendlichen in eine positivere Entwicklung und Haltung entwickeln können. Hillert fordert die Eltern auf, vor allem auch positive Aspekte von Arbeitswelt, Umfeld, ja vom Lebensalltag generell, anzusprechen. (Damit ist sicherlich nicht jegliche Kritik ausgeschlossen ...) Wenn Eltern ihr Dasein, sowohl die Privatsphäre als auch die (immerhin zur Sicherung der Existenzbasis auch notwendigen) Berufsaufgaben differenziert darstellen, entsprechend nachvollziehbar artikulieren, haben ihre Kinder auch die Chance sich mit dem Für und Wider auseinandersetzen zu können. Dies ist ein Lernprozeß, den es stetig zu unterstützen gilt. Wenn natürlich bei einer Aufforderung, doch die Hausaufgaben zwecks Übungsmöglichkeiten zu erledigen, sich doch um gute Schulleistungen zu bemühen, dies auch mit Blick auf eine erträgliche Zukunft, die Antwort an eine Lehrkraft kommt, "Ich brauche keine guten Noten. Ich brauche keinen Beruf. Sie werden später meine Sozialhilfe bezahlen" (das habe ich persönlich so zweimal erlebt!), dann weiß man genau, welcher familiale Hintergrund da dahintersteckt, welche "Erziehung" in so einem Elternhaus betrieben wird und wie offensichtlich die "Vorbildswirkung" im häusliche Umfeld einzuschätzen ist. Es sollte doch möglich sein, bei aller jeweils vorhandenen Ambivalenz von Sachverhalten, stets auch aufbauende, positive Gesichtspunkte zu verdeutlichen und nicht nur in absoluter Negativität (vulgo: "Alles ist scheiße!") zu verharren. Besonders abzulehnen ist jene Spezies, die sich stets verweigern, dabei jedoch hemmungslos sich von Staat und Gesellschaft (die letztlich über Steuern dem Staat erst die Möglichkeit zum Handeln gibt) unterstützen lassen. Diese Auffangmöglichkeiten sind eigentlich nur für diejenigen vorgesehen (und auch notwendig!), die in wirklicher Not sind und sich nicht durch eigenes Verschulden in derartige Miseren erst begeben haben.
Hillert gibt gute Beispiele für verantwortungsvolles Erziehungshandeln. Auch für das Erklären eigener Problemlagen (auf Arbeit, mit Chef, mit Kollegen, mit Belastungen, etc.), damit Jugendliche lernen können, differenziert an Sachverhalte heranzugehen. Es gibt ja auch in stressigen Jobs (oder aber als Ergebnisse davon, zu Beispiel die materielle Absicherung) sicherlich positive (eine befriedigende) Dinge aufzuzeigen, zu benennen. So beispielsweise die "Wichtigkeit", die "Bedeutung", die "Notwendigkeit" benennen. Man kann, so Hillert, vermitteln, daß und warum Einsatz sich lohnt, daß er bisweilen auch sein muß. Dies läßt sich beispielsweise -- der jeweiligen Altersstufe angemessen -- auch hinsichtlich der Befriedigung eigener Bedürfnisse lehren: "Wenn du dir etwas kaufen willst, dann verdienst du bitte selber das Geld (dafür)", so Hillert. Eltern müssen ihren Kindern auch beibringen (dazu gehört zweifelsfrei: durch eigenes Beispiel), daß häufig ein Bedürfnisaufschub zu erbringen ist, daß man zum Erreichen größerer Ziele auch oft ein Verzicht auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung zu leisten ist. (Aber da versagen viele Eltern bereits beim Durchsetzen der Erledigung von Hausaufgaben kläglich ...) Eltern müssen eben ihre Elternrolle annehmen, dazu gehört sicherlich auch, daß man nicht immer "gemocht" werden muß; es müssen Differenzen zugelassen und ausgehalten werden können, damit Kinder daran wachsen, reifen, können. Hillert: "Eltern tun sich kurzfristig einen Gefallen, zu sagen: Ich tue alles für dich, mein Kind. Aber mittel- und langfristig vermeiden Elern die Konflikte, die nötig sind, um Kinder Orientierung zu geben." Hillert vertritt die Auffassung (die eigentlich leicht zu teilen sein sollte!), daß Eltern eben nicht alles von den Kindern fernhalten, Unangenehmes für sie regeln sollten. Das sei vielleicht gut gemeint, aber Eltern sollten -- natürlich immer altersgerecht! -- bestimmte Verantwortung den Kindern überlassen, sie mit deren Lösung beauftragen. In diesem Zusammenhang spricht Hillert auch Auseinandersetzungen mit anderen Kindern an. Man muß sich nicht immer einmischen, Kinder müssen auch lernen, Konflikte selbst lösen zu können. (Natürlich hängt das jeweils vom graduellen Schwierigkeitsgrad wie auch von der jeweiligen sozialen Situation -- Stichworte: Mobbing, Hass, Diffamierungen, o.ä. -- ab; es gibt sicherlich Fälle, in denen man für das Kind und an dessen Stelle man tätig werden muß. Eine differenzierende, verantwortungsvolle Umgangsweise mit Problemen ist den Eltern natürlich zuzumuten, ja auch: abzuverlangen, sie sollten freilich von Überreaktionen und falschen Schuldzuweisungen -- z.B. an Lehrkräfte und "Schule" -- vernunftorientiert Abstand nehmen.)
Für eine derartig einfühlsame Entwicklungsmöglichkeit der Kinder ist es natürlich unabläßlich, Kinder entsprechend in das Leben der Erwachsenen einzubeziehen und nicht, so Hillert, "zu meinen, man muss Kinder schonen und sie irgendwie erst später da heranführen." Auch mit Blick darauf betont Hillert, wie sollten sonst Kinder ihre Vorbilder sonst herbekommen. Hillert fordert auch klare Regeln für "Online-Zeit": her müssen Eltern ganz bewußt und konsequent Grenzen setzen: Smartphones, Computer und Games gehören zu unserem Alltag. Übermäßige Online-Zeit kann jedoch zu sozialer Inkompetenz und Isolation führen, weshalb Eltern hier klare Grenzen setzen sollten. Da dies sicherlich meist nicht so einfach durchzusetzen ist, häufig mit Geschrei und anderen unerwünschten Regungen verbunden ist, müssen Eltern als -- hoffentlich etwas reifere und gescheitere -- Erwachsene hier Durchsetzungsvermögen zeigen und gegebenenfalls renitentes Verhalten (Geschrei, Geheule, Beleidigtsein, Androhung von Liebesentzug, u.a.m.) entsprechen beantworten und auch aushalten. Konsequenz in der Erziehung -- das muß wieder weitverbreitete Devise werden und bleiben! Daß der soziale Wettbewerb und der Vergleich mit anderen hier oft kontraproduktiv wirken, ist nicht zu leugnen. Aber auch hier dann: Konsequenz und Definitionsmacht im Rahmen eigener Erziehungskompetenz ausüben.
Nochmals zur Wiederholung: "Helikopter-Eltern" wie auch "Rasenmäher-Eltern" (Das sind Eltern, die alles "niedermähen". Alle vermeintlichen Probleme, welche den Kindern früher oder später begegnen könnten, werden durch diese Eltern abgefangen.) sind zweifelsohne auf einem völlig falschen Weg, wenn es um möglichst optimale Erziehung von Kindern und Jugendlichen geht. Aber auch jene Eltern, die jegliches Versagen fremdattribuieren, dies meist dadurch, indem Lehrkräfte und "Schule" als die Schuldigen beklagt werden ...
Ich glaube behaupten zu können, daß unter zehn Personen immer neun durch Erziehung das sind, was sie sind, gut oder böse, der Gesellschaft schädlich oder nützlich. Die Erziehung macht den großen Unterschied unter den Menschen.
John Locke
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Anmerkung zu dieser Aussage John Lockes: Erzogen wird zunächst vor allem im Elternhaus!
... demnächst hier dann vielleicht noch weitere Ausführungen / Überlegungen ...
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