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Was wahr ist beim Licht der Lampe, ist nicht immer wahr beim Licht der Sonne.
Joseph Joubert
Das Wichstigste ist es, nicht mit den Fragen aufzuhören.
Albert Einstein
Auf dieser Seite:
Einleitung über Sinn und Zielrichtung dieser Seiten
Gedanken und Gründe darüber, warum man spätestens beizeiten der Schule den Rücken kehren sollte ...
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Allgemeine Hinweise
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Sinn und Zielrichtung dieser Seiten
Vorbemerkung: Auch wenn viele der Darstellungen auf diesen Seiten sich konkret auf Vergangenes beziehen (so z.B. Korrespondenzen, Beispiele), bedeutet das leider nicht, daß / dass mittlerweile Fehler und Fehlentwicklungen weniger geworden sind. Gewiß, zum Teil sind einige der Mißstände beseitigt, dafür jedoch andere, teilweise erheblich gravierendere hinzugekommen. Man denke in diesem Zusammenhang nur einmal auf die abnehmende Attraktivität des Lehrerberufs auf zumindest einigen Schulebenen oder aber an die zunehmende Arbeitsbelastung und Aufgabenhäufungen an Schulen, die leider in keinster Weise durch die eigentlich notwendige personelle und sachliche Ausstattung an Schulen aufgefangen werden. Es gilt nach wie vor: die Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und gesellschaftlicher Wirklichkeit scheint eher größer denn geringer geworden zu sein. So sollen diese Gegebenheiten aus "Vergangenem" wenigstens zwei Gedankenstränge anregen: Erstens hat sich da tatsächlich Wesentliches in positive oder gar negative Richtung verändert und zweitens, was hätten wir längst aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen können und müssen, um schulische Lehr- und Lernbedingungen zeitgemäß, herausforderungsbezogen sowie pragmatisch gestalten zu können. In diesem Sinne sollte Leilinie sein: "Wer in der Zukunft lesen will, muß in der Vergangenheit blättern." (André Malraux)
Insofern sollte man Albert Einsteins sicherlich grundsätzlich richtige Zielsetzung "Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben." nicht allzu einseitig zukunftsbetont auslegen, denn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind sicherlich aufeinander verworfen und entsprechend als Einheit, als Ganzes, als Werdendes und jeweils Gewordenes zu sehen! Es wird ja auch sonst immer wieder die Wichtigkeit, aus der Vergangenheit zu lernen und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, betont. Dies gilt natürlich gerade auch für Bildung und Erziehung, für Gestaltung und Ausgestaltung von "Schule", will man zu einer Besserung der Verhältnisse geraten. Und man sollte sich nicht scheuen, der fälschlicherweise oft Wilhelm Busch zugeschriebenen Aussage "Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrißt." (Verfasser unbekannt), mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In diesem Sinne ist es gut und notwendig, bisweilen ein derart disponiertes "Kamel" zu sein ...
Den Namen “Schulblick” habe ich bewußt gewählt: Er soll vor allem auf den Blick von außen auf Schule hinweisen. Also nicht in erster Linie eine (B)Innenschau, sondern eine kritische Betrachtung von ausgewählten Aspekten, die schulisches Geschehen und Erziehungsabläufe mitgestalten oder gar determinieren. Auf Vollständigkeit muß hier wegen der Komplexität der Materie freilich leider verzichtet werden. Die dadurch entstehende Verkürzung hat andererseits wiederum den Vorteil, daß über die so sich ergebenden kognitiven Dissonanzen das Problembewußtsein der Leser geschärft werden kann, im Idealfall bis hin zu eigenen, tiefgehenden Recherchen. Wenn dadurch das eigene Urteilsvermögen hinsichtlich schulischer Aspekte über oberflächliche, vorurteilsgeleitete Meinungsbildung hinaus angeregt würde, wäre schon ein Großteil meiner Zielsetzungen erreicht. Simplifikation bei der Betrachtung und Beurteilung kann bekannterweise niemals zu sinnvollen Verbesserungen führen.
Dem Leser sollte bewußt werden, daß Urteilen und Mitwirkung zuallererst Sachkompetenz erfordern, die es – so ist nun einmal der Lauf der Dinge – meistens nur mühsam zu erwerben gilt. Am Anfang wird also auch hier der “Schweiß der Anstrengung” stehen müssen. Entzieht man sich dieser Verpflichtung, wird man niemals über die Ebene der Oberflächlichkeit, der Geschwätzigkeit, der Stammtischparolendrescherei, hinauswachsen können. Die alleinige Tatsache, daß man selbst irgendwann einmal einige oder auch sehr viele Jahre mehr oder weniger erfolgreich die Schulbank gedrückt hat, genügt eben nicht, qualifiziert mitreden zu können. Ebensowenig dürfte der Umstand, Kinder in die Welt gesetzt zu haben, ausreichen, bereits als kompetente Fachkraft in Sachen Erziehung zu gelten. Auch sollte es unbestrittener Kenntnisstand sein, daß sich schulische Erziehung von der häuslichen in vielen Aspekten erheblich unterscheidet. Selbstverständlich gibt es auch Schnittmengen zwischen beiden Ebenen, die es produktiv zu funktionalisieren gilt.
Man erlebt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit immer wieder auf den unterschiedlichsten Ebenen. Auf Eltern- oder Erzieherseite wird das Versagen von Schule im allgemeinen und das der Lehrkräfte im besonderen vor allem dann beklagt, wenn die Ergebnisse im subjektiven Fall nicht so ausfallen, wie man es gerne hätte. Besonders deutlich wird diese Differenz dann, wenn es Eltern nicht einmal gelingt, ihre eigene Erziehungsverantwortung richtig einzulösen und die daraus resultierenden Defizite nicht als eigenes Versagen erkennen können oder wollen und entsprechend mit Fremdattribuierungen arbeiten. Meistens endet dies dann in der hinlänglich bekannten Sündenbocktheorie, wonach Lehrkräfte an den negativen Ergebnissen Schuld tragen.
Auf der Organisationsseite erleben wir die Kluft zwischen Theorie und Praxis vor allem dann, wenn es nicht gelingt, vorhandene Problemlagen als solche zu erkennen, die sich daraus ergebenden Herausforderungen sachadäquat anzunehmen, Handlungsfelder nicht zu bagatellisieren und mit bestehenden Notwendigkeiten hinsichtlich Veränderung und Umgestaltung anders umzugehen als mit Aktionismus (also dem Vortäuschen von notwendiger Handlung mit Ersatzritualen und damit korrespondierenden Ersatzbefriedigungen), Euphemismen (also dem Umdefinieren und damit Verharmlosen von untragbaren Zustanden) und Wunschdenken (als ob die Formulierung von Wünschen bereits deren Realisation ausmache).
Auf Seiten der Lehrkräfte wird sehr schnell zu der ‘Erklärung’ mangelnden Leistungswillens auf Seiten der Schüler gegriffen, Schüler dagegen neigen häufig dazu, der entwicklungsbedingten Unsicherheit ihres jeweiligen Orientierungsrahmens und häufig dem Meinungsbild ihrer sie (vorübergehend) leitenden Subkultur entsprechend, “die Gesellschaft”, “die Umstände”, “die Verständnislosigkeit”, “die Repression”, etc. für subjektiv erlebte oder auch objektiv vorhandene Mängel verantwortlich zu machen, dabei übersehend, daß auch sie jeweils Teil dieses komplexen gesellschaftlichen Definitionsrahmens sind.
Wie nun dieses Wirrnis von Faktoren und ihren Bündelungen durchdringen? Wie diese Interdependenzen so auflösen, daß sie operabel und einer einigermaßen brauchbaren Lösung zugeführt werden können? DIE LÖSUNG wird es da nicht geben können, im besten Fall jedoch eine, die über intersubjektive Übereinkunft demokratisch getragen werden kann, wobei die jeweils im Diskurs “unterlegenen” Teile keinesfalls auszugrenzen sind, sondern vielmehr im Rahmen einer Vorläufigkeit gefundener Ergebnisse in den permanenten Prozeß mit Zielrichtung einer Optimierung der Meinungsbildung und in deren Folge der Verbesserung der Zustände in den notwendigen Falsifikationsprozeß einzubinden sind. Im Klartext: Gefundene Lösungen sind jeweils historisch bedingt und relativ, gelten nur solange, bis ihre Tauglichkeit widerlegt ist, ihre Praktikabilität an Grenzen stößt, sind also fortwährend der Überprüfung auf Legitimation ihrer Gültigkeit zu unterziehen.
Das klingt natürlich einleuchtend (Wer würde von sich schon behaupten, gerne am Falschen, am Unbrauchbaren, festhalten zu wollen?!), aber wenn es auf die Umsetzung ankommt, brechen plötzlich oft sogar antagonistische Widerstände auf. Hauptgrund für eine derartige Reduktion im Denken und Handeln sind in erster Linie ideologische Bezogenheiten und Verwerfungen. Daß dabei die menschliche Psyche eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, dürfte offensichtlich sein: Da sind Festsetzungen getroffen worden, die deren Urheber später ungerne als überholt oder gar von Anfang an als falsch oder zu kurz gegriffen bewertet sehen möchten, da es mit deren Ego und dem daraus resultierenden Wohlbefinden nicht vereinbar wäre. Oder es geht viel schlichter um reine Machtpositionen (die freilich meist nicht offen bekannt werden, sondern hinter ‘edlen’ Motiven verklausuliert bleiben). Natürlich leiten auch Dummheit, Ignoranz, mangelnde Sachkenntnis, schlichte Gemüter die Gestaltung von rigiden Strukturen. Über weitere einschlägige Verwerfungen mag der Leser selbst nachdenken.
Mit Schule finden wir eine institutionalisierte Form des Lernens und Erziehens vor, die in Deutschland unter der Aufsicht und Obhut des Staates steht. Lernen ist also organisiert und in einen staatlichen Ordnungsrahmen eingebunden. Die in diesem System agierenden Personen sind durch eine Vielzahl von Rollen gekennzeichnet. Dies führt nicht selten zu eklatanten Rollenkonflikten, vor allem aber Interrollenkonflikten (die freilich zumeist bestritten werden, weil die jeweiligen Positionsrolleninhaber sich in ihrer Handhabungskompetenz derartiger Schnittstellen maßlos überschätzen). Ein verdeutlichendes Beispiel sei hier die Schulleitung, die Interessen der Schule wahrzunehmen hat, aber in einer anderen Rolle als Stadtratsmitglied (Gemeinderatsmitglied) oder gar als stellvertretender Bürgermeister wieder ganz andere, weit über die Schule hinausgehende, oft damit divergierende Interessen zu beachten hat. Oder der für die Bildung als Experte fungierende Abgeordnete, der konfessionell sehr stark gebunden ist, andererseits jedoch in der Bildungsplanung und Gestaltung die Belange einer weltoffenen pluralistischen Gesellschaft wahrnehmen sollte. Derartige Konfliktfelder ließen sich sehr viele anführen. Auch die Problematik von Intrarollenkonflikten wird allzu oft gering gewichtet oder ganz übersehen.
Oft bestritten, aber deswegen nicht weniger wahr: Selbstüberschätzung dürfte in vielen Fällen der Bildungsstagnation oder -hilflosigkeit eine Hauptwurzel allen Übels sein. Da finden wir die Lehrkraft, die wirklich fest davon überzeugt ist, immer gerecht zu sein, keine Lieblingsschüler zu haben, alle gleich zu behandeln, usw. Diese Form der Ignoranz verhindert schon von Anfang an eine kritische Selbstreflexion, so daß habitualisierte Fehler dann stringent ihr Unwesen treiben können. Oder die Verwaltungsfachkraft, die glaubt, die Weisheit mit dem großen Löffel gefressen zu haben und nur richtige, vor allem aber: nicht kritisierbare oder gar revisionierbare Entscheidungen zu treffen. Aber da ist auch der (oder die) Beurteilende, deren Urteil als allmächtig gewichtet wird und für Betroffene erhebliche Konsequenzen für die Arbeitsmoral oder gar für eine ganze Lebensplanung bedeuten kann. In diesem Fall kommt häufig noch dazu, daß jene Wertungen aus einer Perspektive schulbezogener Abstinenz und Distanz erfolgen, genauer: es urteilen Leute, die schon lange keine Klasse mehr unterrichtet oder gar über eine längere Zeit geführt haben. Dann haben wir die oberlehrerhaften Elternvertreter, die alles besser wissen, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie nie die Probe aufs Exempel zu leisten haben. Dann die Schulleiter, die nicht selten in despotischer Weise ihre Art der Menschenführung praktizieren, ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. Vergessen wir in diesem Zusammenhang vor allem nicht jene Politiker, die schon immer gewußt haben, “wo es lang zu gehen hat” und wie man die Problemlagen in den Griff bekommt, dabei jedoch genau nur jene Maßnahmen ergreifen bzw. induzieren, die ihre Wiederwahl zu sichern scheinen und Konflikte meiden helfen. Eines haben all diese (sicherlich nicht vollständig in der Aufzählung) genannten, sich selbst maßlos überschätzende Personen dann doch noch gemeinsam: Sie glauben, zu wissen, was DIE JUGEND ist, was DIE JUGEND ausmacht, und können so dann auch sich in sinnlosen Verständnisorgien ergehen, weil man ja einen beliebig gehaltenen, fast immer vielen Interpretationen offenen, Bezugsrahmen pflegt.
Wollen wir abschließend nicht den Typus des Kotzbrockens vergessen, der diese Einschätzung, dieses Werturteil, jedoch nie gezeigt bekommt, dem man von vorne den sprichwörtlichen Honig ums Maul schmiert, und der sich dann – wer will es ihm bei der Unaufrichtigkeit seines sozialen Bezugsrahmen dann auch verdenken – für extrem beliebt hält und vor allem wegen der Falschheit seiner Mitarbeiter niemals auf den Gedanken einer Überprüfung seiner Position und seines Verhaltens kommen kann.
Die vorgefundene Konstruktion der Wirklichkeit, in diesem besonderen Fall einschränkend: der Schulwirklichkeit, ist also das Produkt von gesellschaftlichen Prozessen, die Wahrnehmung der Ergebnisse, damit auch deren Interpretation, ein Ergebnis mehrfach erfolgter Filterung durch unterschiedliche Bewußtseins- und Wahrnehmungslagen. Und mit dieser vorgefundenen Wirklichkeit ist umzugehen, wie unzulänglich sie auch immer sein mag. Andererseits, sieht man alles als gelungen und perfekt an, dann gäbe es nichts zu ändern, man könnte alles beim alten belassen und sich bequem und saturiert zurücklegen. Diesen Aspekt will ich hier jedoch nicht weiter verfolgen, denn der Konsens, daß es einiges zu ändern gibt, dürfte groß genug sein, um diese an Zahl immer mehr abnehmenden Bewahrungsdenker zu ignorieren. Nicht ignorieren kann man freilich deren Einfluß als Bremsklötze in gesellschaftlichen Klärungsprozessen, denn schließlich sind sie Teil jener vorgefundenen gesellschaftlichen Wirklichkeit, haben Teilhabe daran.
Stellen wir uns einmal einen idealtypischen Klärungsansatz vor. In einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs, an dem alle Mitglieder entweder selbst oder durch Interessenvertreter beteiligt sind, werden Bildungs- und Erziehungsziele festgelegt, die dann politisch und rechtlich normiert werden. Ein solcher Diskurs setzt sowohl diskursive Kompetenz als auch diskursive Performanz voraus. (Sie erinnern sich bitte: Ich spreche hier von einem idealtypischen Modell. Wer die gesellschaftliche Wirklichkeit kennt, der weiß auf welchem tatsächlichen kommunikativem Niveau in Deutschland operiert wird ...)
Gehen wir davon aus, es sind nun die gefundenen, also normativen Bildungsinhalte gefunden worden und der Konsens ist groß genug, um weiter in Richtung Realisierung derselben zu denken. Sinnvoll wäre nun eine Analyse, unter welchen Möglichkeiten genau diese Ziele zu erreichen wären. Da kann man natürlich auf ein Spektrum von Möglichkeiten hoffen. Für jede einzelne dieser Möglichkeiten wären nun in einem weiteren Schritt die Bedingungen auszuloten, unter denen die Realisierung der Vorhaben überhaupt möglich sind: Wir untersuchen also die Bedingungen der Möglichkeiten zur Zielverwirklichung.
Stellt man nun fest, daß von den notwendigen (oft damit lange noch nicht: hinreichenden) Bedingungen etwas (noch) nicht erfüllt ist, dann müßte genau dieses Defizit erst einmal beseitigt werden – sozusagen als ‘conditio sine qua non’ –, will man überhaupt eine realistische Chance auf Erreichung der gesetzten Ziele haben.
An einem einfachen Beispiel aufgezeigt: Will man ein eigenes Haus bauen, dann wird man zunächst einmal klären, von welcher Art das Haus unbedingt sein sollte, dann wären Fragen über Ort, Lage, Infrastruktur etc. zu erörtern, und damit wäre zwar noch nicht sehr viel geschehen, aber man hat wenigstens konkrete Vorstellungen über die Zielrichtung. Nun gälte es zu prüfen, welche Möglichkeiten der Realisierung bestünden. Und danach dann erhöbe sich die Frage, welche Bedingungen sind zu schaffen, damit diese Möglichkeiten überhaupt eine Aussicht auf Realisierung erhalten. Daß es hier vorwiegend dann um Finanzierungsfragen ginge, dürfte bei einem Hauskauf einleuchtend sein. Aber es wären auch Belastungsfaktoren, Aspekte der Lebensqualität u.a. einzubeziehen. Sollte jemand nun – bei einem Hausprojekt durchaus wahrscheinlich – zu dem Ergebnis kommen, daß dieses gewünschte Haus in seinen Dimensionen so nicht realistisch ohne unerträgliche Einbußen (z.B. Freizeitgestaltung) und Risiken (evtl. Insolvenz bei potentieller Arbeitslosigkeit) zu bauen ist, dann stellt sich eben die Frage nach einer Reduzierung der Ansprüche oder gar die des Verzichts auf den Hauskauf bei Fortsetzung von Mietverhältnissen. Die Bedingungen (z.B. sichere Finanzierung, Arbeitsplatzsicherheit, mögliche Eigenleistungen) der Möglichkeiten (Bauplatz, Bauauftrag, Bauaufsicht, u.a.) zur Zielerreichung (Einzug in das vorgestellte Haus am gewünschten Ort bei Verbesserung der Lebensqualität) hängen also miteinander zusammen.
Was beim Hauskauf möglich ist, nämlich nach sorgfältiger Prüfung auf den Hausbau ggf. zu verzichten, geht im Bildungswesen wohl kaum: Ein Staat wird nicht auf Bildung und Erziehung verzichten wollen, d.h. es gilt die Prämisse: Bildung ist durchzuführen, ist zu leisten. Auch wird der Staat freiwillig niemals auf gewissen Bildungsziele verzichten, denn von deren Durchsetzung erhofft er sich schließlich seine Stabilität. (Von anarchistisch ausgerichteten Gesellschaftsformen sei hier nicht die Rede; da sind zweifellos andere Schwerpunkte gesetzt.) Aber da gute Bildung nicht billig zu haben ist, dürfte im Kampf der gesellschaftlichen Interessensphären immer eine gewissen Uneinigkeit in der Prioritätensetzung der Mittelwahl durchdringen. Diese sind jedoch – man mag es bedauern oder auch nicht – häufig nicht ehrlich offengelegt; sie werden verschleiert und damit auch die dahinterliegenden Interessen. Weil Bildung immer die Begehrlichkeit der Interessenvertreter weckt, kann auf eine ideologiekritische Fragestellung im Kontext von Bildungsorganisation nicht verzichtet werden. Das mögen neben den ihre Interessen verdeckt halten wollenden Nutznießern vor allem auch all jene aus den wissenschaftlichen Efeutürmen bedauern, die längst anderen Paradigmen huldigen, die vielleicht sogar in vorderster Front den Paradigmenwechsel weg von der Ideologiekritik hin zu bürgerlicher Auftragswissenschaft betreiben hatten oder ihn perpetuieren, nicht selten ohne diffamierende Verächtlichmachung. Nur weil das Paradigma aus der Ecke kritischer Wissenschaft gewachsen ist, ist es längst nicht obsolet geworden. Ganz im Gegenteil: Ideologiekritik zur Offenlegung von Interessenlagen ist heute notwendiger denn jemals zuvor. Es gilt vor allem auch im Bildungswesen, Verschleierungstendenzen wahrer Absichten ihrer Maske zu entkleiden. Es ist schon von Interesse, wer was wann und warum im Kontext von Bildung und Schule sagt, fordert und durchzusetzen versucht. Da erlebt man oft Welten von Widersprüchlichkeiten! Wie oft wird der “mündige Bürger” als Erziehungsziel gepredigt, wie häufig wird dann der “mündige Bürger” (sofern er in doch recht seltenen Fällen in unserem Bildungswesen auch so erwachsen geworden ist) in Schranken verwiesen, die dem vorgegebenen Bildungsziel Hohn sprechen.
Wie überhaupt die Zahl der Leerformeln in unserem Bildungswesen (freilich nicht nur dort, diese Seuche zieht sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche) unangemessen zugenommen hat. Als ein Beispiel mag der wie eine Monstranz vorgehaltene Teambegriff dienen. Es gibt ja wohl kaum ein vernichtenderes Urteil als das der “Teamunfähigkeit”. Teamgeist wird überall gefordert, aber – blicken wir einmal gründlich hinter die Kulissen – es scheint sich da schon mehr um Geist als um Substanz zu handeln. Es wäre der Teambegriff wertfrei. Aber behandelt wird er so, als gehöre er von den Besten zum Allerbesten. Ich werde auf meinen Seiten ausführlich auf diesen Mißbrauch des Teambegriffs eingehen, auf die Verblendung und teilweise auch auf die Verlogenheit, die tatsächlich dahinter steckt. Vorab möchte ich schon einmal festhalten: Es gibt jede Menge Teams, bei denen das Lob und die Achtung denen gehören sollte, die eben nicht sich diesem Teamgeist unterordnen ...
Also kehren wir ruhig zur Ideologiekritik zurück, verzichten wir auch nicht auf den produktiven Anteil des Falsifikationsprinzips, das uns Popper mit seinem Neopositivismus geliefert hat, machen wir vor allem aus den beiden – zwar teilweise aus gegensätzlichen Anschauungen entstandenen – Wissenschaftsparadigmen keine Neuauflage des uralten Positivismusstreits, sondern nützen wir beide Werkzeuge, um all jenen effektiv zu begegnen, die Verschleierung, Täuschung, Schönfärberei, Interessenverwirklichung als ihre Lebensaufgabe erkoren haben. Wenn es auch nicht (immer) gelingen mag, jenen im Zusammenhang mit der normativen Kraft des Faktischen das Handwerk zu legen, die Maske können wir ihnen allemal von den Gesichtern reißen, um die wahren Absichten bloßzulegen. Und vielleicht hilft diese so generierte Information dann doch das eine oder andere Mal, die Verhältnisse einer Veränderung zuzuführen.
Wir erinnern uns: Die Schüler haben ein Recht auf ordentlichen, ungestörten Unterricht. Wie vehement wurde dies in Bayern von politischer Seite, allerdings mit einem unerträglichen Time-Lag, verkündet. Man wollte die notorischen Störer aus dem Klassenverband ausschließen, damit Schule wieder im Rahmen dessen wirken kann, wofür sie ursprünglich gedacht war (zumindest seit den Zeiten der demokratischen Aufbrüche): arbeiten, lernen und erziehen, reifen ...
Wie jede Idee, hatte auch dieses Idee der ‘Eliminierung’ von Störenfrieden ihre Gegner, was die Apologeten jener Forderung sofort wieder einschüchterte und sie von “allenfalls einer Handvoll Jugendlichen” reden ließ, für die derartige ‘strenge’ Maßnahmen in Betracht kämen.
Die Wirklichkeit schaut heute jedenfalls immer noch anders aus, denn immer mehr Lehrkräfte verbringen ihre Zeit mit psychologischen, sozialpädagogischen, ab und zu sogar mit auf Aufbewahrung ausgerichteten Aufgaben, als sich – eben wegen dieser Verhältnisse – auf ihre eigentliche Unterrichtungsaufgaben konzentrieren zu können. Beleidigungen, Störungen, Sachbeschädigungen, teilweise kriminelle Aktionen sind Bestandteil vom schulischen Alltag geworden. Und bislang ist keine in der Breite wirksame Lösung gefunden worden, wie man dieser Misere Herr werden könnte. Wer in diesem Zusammenhang dann vielleicht gar noch beim Versuch einer ersten Analyse der Ursachen feststellt, daß Multikulti vielleicht doch nicht so problemlos und schön ist, wie es klingt, der wird schnell einmal als Rassist abgestempelt oder in die rechte Ecke abgedrängt. Womit wir beim Hauptfehler für die systemimmanente Schwerfälligkeit beim Erhellen der Ursachen angekommen wären: Es wird nicht radikal (dies im wissenschaftlichen Sinn verstanden!) genug analysiert, bestimmte Ergebnisse dürfen einfach nicht sein, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.; es wird beschwichtigt, geleugnet, hin- und hergeschoben (nicht unterrichtbare Schüler von einer Schule zur anderen, unfähige Lehrkräfte von einer Klasse in eine andere, auch oft an andere Schulen), es wird ein Heile-Welt-Image propagiert, das so nicht existiert, auch nicht mehr existieren kann, statt daß man die Dinge endlich einmal beim Namen nennt. Zu dieser Form einer konstruktiven Radikalität möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, dies in der Hoffnung, daß es für sinnvolle Veränderungen noch nicht zu spät ist. Und das muß gelingen, denn auf der Strecke bleiben bei Mißlingen von radikalen Veränderungen all jene, denen Lernen noch ein Bedürfnis ist, die vor allem realistisch auch in jungen Jahren schon eine spätere Berufsperspektive im Auge behalten wollen und die in der aktiv-konstruktiven Teilhabe und Teilnahme am staatlichen Geschehen eine Aufgabe sehen.
Wer mir bis hierher gefolgt ist, dürfte bereits Wesentliches über meine ‘ideologische’ Position erfahren haben. (Nochmals: Es gibt keine Position, die nicht in irgendeiner Form ideologisch ist! Wer anderes behaupten wollte, der ist ein geistiger Scharlatan ...)
Dennoch möchte ich sie nochmals zusammenfassend unmißverständlich postulieren. Mit den überholten Begriffen ‘links’, ‘rechts’, ‘in der Mitte’ etc. läßt sich m.E. nichts mehr Sinnvolles im Rahmen von Gesellschaftsanalyse anfangen. Insofern distanziere ich mich von derartigen Festlegungen, nicht zuletzt weil sie mir viel zu statisch erscheinen. Derartig vereinfachende Abstraktionen möchte ich gerne anderen überlassen. Von vorauseilendem Gehorsam oder gar staatstragender Vorleistungsaktivität halte ich überhaupt nichts. Für mich ist die Kritik am Bestehenden zum einen die Anerkenntnis der gewachsenen Fakten, zum anderen jedoch ein Mittel zum Verbessern der Zustände. Die Richtung dessen, was Verbesserung bedeutet, werde ich jeweils im konkreten Zusammenhang begründen, insofern fordere ich keine ‘Glaubensleistungen’ ab. Die getroffenen Festlegungen legitimiere ich nachvollziehbar, damit sie jederzeit einer Falsifikation unterworfen werden können. Das Falsifikationsverfahren erscheint mir insofern anderen überlegen, als es zunächst einmal von einer Hypothesenoptimierung ausgeht, die so gewonnene Hypothese als vorläufig zutreffend erlaubt, und zwar so lange, bis sie widerlegt oder eine bessere Hypothese gefunden ist. Da jegliche menschliche Handlung jedoch gesellschaftlich bedeutsam ist, mache ich nicht dort halt, wo Karl Popper die Untersuchung abbricht, da Wertentscheidungen nicht falsifizierbar seien, sondern frage sehr wohl nach den Intentionen derjenigen, die Hypothesen liefern. Kurz: Für mich ist der ideologische Hintergrund von Handeln, von Begründung von Werten, von Prioritätensetzung sehr wohl von Interesse, aber auch aufdeckbar.
Auf diesen Webseiten beschäftige ich mich vorwiegend mit organisiertem Lernen in Schule, also mit intentionalem Lernen. Daß beim Zusammenwirken von Personen, aber auch im Umgang mit Sachverhalten sehr viel informelles Lernen stattfindet, steht außer Frage. Diesem wende ich mich jedoch nur sehr peripher vor, da mich an dieser Stelle schwerpunktmäßig die strukturellen Faktoren als Grundlage von Lernmöglichkeiten beschäftigen. Ich bitte die Leser für diese Einschränkung um Verständnis. (Über informelle Lernsituationen beschäftige ich mich bezüglich Lernen im Staats- und Gesellschaftskontext auf meiner Webseite www.lernblick.de.)
Ich stehe auf dem Standpunkt, daß mit der Benennung von Sachverhalten, Personen, etc. noch lange nicht die intendierte (sofern sie überhaupt so beabsichtigt gewesen ist ...) Qualität erreicht ist. Deshalb widme ich mich an ausgewählten Beispielen (z.B. Führungspersonal, Beurteilung, Fortbildung, Schlüsselbegriffen wie Team, Empathie, Solidarität u.a.m.) dem Erhellen von damit zusammenhängenden Denkfallen.
Ich wähle durchgehend aus Gründen leichterer Schreibarbeit die männliche Form; die weiblichen Leser mögen dies nachsehen – es handelt sich gewiß nicht um eine Geringschätzung der Weiblichkeit, ganz im Gegenteil, in meinem praktischen Leben sind mir in der Regel Frauen lieber als Männer. Gleichwohl bin ich ein Gegner von Quotenregelungen jedweder Art, da ich die Auffassung vertrete, daß nur Leistung und Qualität als Auslesekriterium für Positionen dienen sollten. (In meinem bisherigen Berufsleben habe ich sowohl Männer als auch Frauen als überdurchschnittliche Luschen (Nullen) erlebt, genauso wie auch das Gegenteil (wobei ich bei Frauen leider einen weiten Bogen um meinen engeren Erfahrungsbereich ziehen mußte).
Ich bemühe mich, die sogenannte Alte Rechtschreibung zu verwenden, da ich nicht einsehe, daß irgendein künstlich oder politisch aufgepfropftes Gremium über die Verwendung von Sprache zu entscheiden hat. Diese Bevormundung ist für mich vielmehr Ausdruck für die Selbstverständlichkeit, mit der ein Staat sich in Angelegenheiten einmischt, die ihn unnötig aufblähen lassen.
Demokratie hat für mich weniger mit der rhythmisierten Abgaben von Stimmzetteln zu tun, sondern ist vielmehr Ausdruck aktiver Beteiligung und Hinterfragung von Sachverhalten. Taking nothing for granted, sollte davon ein Aspekt sein. Schon gar nicht ist Demokratie für mich die rigide Bezogenheit auf unhinterfragbare (sic!) Sachverhalte; nein, alles, was existiert, darf hinterfragt werden, muß hinterfragt werden, der Zweifel ist der Motor gegen Erstarrung. Das bedeutet sicherlich nicht, den Zweifel um seiner selbst willen zu betreiben. Vielleicht läßt es sich so sagen: Zweifel entsteht durch die Erfahrung und Beobachtung von Widersprüchlichkeiten und diese Erzeugung von kognitiver Dissonanz sollte dann doch zu zielgerichteten Denkprozessen führen, verbunden mit dem Ziel, sich nicht alles gefallen zu lassen, sich nicht für dumm verkaufen zu lassen, sich nicht zum willfährigen Vasallen degradieren zu lassen. Besser man steht irgendwo auf der Bühne als im Zuschauerraum ...
Eine Selbstverständlichkeit sei noch angefügt: Als Mitglied dieser Gesellschaft liegen natürlich meinen Ausführungen Ergebnisse aus intentionalem sowie informellen Lernen, aus Begegnungen mit anderen Personen, aus einschlägigen Erlebnissen mit Institutionen etc. eben dieser Gesellschaft zugrunde. Fallbeispiele sind entsprechend durchaus der Lebenspraxis zuzurechnen, zumindest haben sie einen extrem hohen Grad an Plausibilität aufzuweisen. Entsprechend habe ich selbstverständlich Personen, Orte und auch Inhalte, wo immer es aus Gründen der Anonymität notwendig erschien, entsprechend verändert. Dies ändert jedoch nichts am grundsätzlichen Gehalt der von mir getätigten Aussagen.
Abschied von der Schule und / oder besser nicht mehr für das Lehramt sich entscheiden!
Zunächst sei festgestellt: Die Arbeit an der Schule als Lehrkraft hatte mir jahrzehntelang viel Spaß gemacht, war allerdings, was die intellektuelle Anforderung anging, mir nicht hinreichend genügend. Die Arbeit an der Schule hat sich sehr verändert, und das leider nicht gerade hin zum Positiven. Hintergrund dafür ist meines Erachtens eine weitgehende Hilflosigkeit der Gesamtgesellschaft gegenüber den Herausforderungen, aber auch eine beharrliche Weigerung, Probleme sehen zu wollen, sie dann entsprechend zu benennen und daraus dann die notwendigen wirksamen Konsequenzen zu ziehen. Vor allem das weitverbreitende Pflegen einer lächerlichen und vor allem letztlich kontraproduktiven Politischen Korrektheit verhindert das Schaffen von Möglichkeiten für die Verbesserung der schulischen Verhältnisse.
Es wird zu viel herumgedoktort, zu viel Symptomkurierei betrieben, zu viel Euphemismus gepflegt, aus Mücken werden Elefanten gemacht und die tatsächlichen "Elefanten", die es bändigen gälte, werden geflissentlich übersehen. Vor allem wird sehr Zeit und Aufwand in sinnlose Selbstdarstellung vergeudet, die nicht selten nach ideologiekritischer "Entkleidung" vor allem dem Aufstiegsbestreben und dem Postenerhalt einiger Weniger dienen -- Zeit und Kraft, die dann für die eigentliche Aufgabe, nämlich der Hilfe und Unterstützung von Jugendlichen auf ihrem Weg in ein eigenverantwortliches Leben fehlt, werden so letztlich vergeudet. Man kann getrost bei Teilen jenes Aktionismus von Mißbrauch einer grundsätzlich rechtlich möglichen Anordnung von Dienstpflicht und Aufgabenstellung sprechen.
Soll man heute also unter den Veränderungen, die das Arbeiten von Lehrer erschweren, noch zum Ergreifen eines Berufes im Schulwesen raten? Pauschal möchte ich dies nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten, wenngleich ich persönlich, vor diese Entscheidung gestellt, mich für ein klares NEIN entscheiden würde.
Wer jedoch mit sehr autokratischen Strukturen umgehen kann, wen Formen praktizierter Rechthaberei nicht (sehr ) berühren, wer ein dickes Fell gegen eine wachsende Anzahl ignoranter und erziehungsunfähiger Eltern besitzt, wen Schönfärberei und Verdrängung von eigentlich abzustellenden Zuständen nicht stört oder wem dies geradezu liegt, wer gut mit Undank für geleistete Arbeit leben kann oder sich aber diesen "Dank" auf welche Art auch immer selbst zu verschaffen vermag -- ich nenne hier nur einige der m.E. negativen Faktoren, die Schularbeit heutzutage belasten! --, der / die mag ja in den Schulstrukturen seine / ihre berufliche Heimat finden. Aber all die anderen ...? Eher nicht!
In einer Gesellschaft, in der das Reden von und über Leistung gleichermaßen zunimmt wie in weiten gesellschaftlichen Kreisen die Bereitschaft und das Abfordern derselben abnimmt, muß man sich nicht wundern, daß Bedürfnisaufschub, Frustrationstoleranz, Aspirationsniveau, Schludrigkeit u.a. eine sehr merkwürdige Relation zur Wirklichkeit eingeräumt bekommen. Wir sehen gerade in der Auseinandersetzung um die -- ich drücke es einmal gelinde aus -- Fehlerhaftigkeit einer Doktorarbeit des ach so beliebten und mit höchsten moralischen Ansprüchen angetretenen von und zu Guttenberg, dann auch noch mit der bestmöglichen Auszeichung, nämlich summa cum laude, bewertet, welche Kluft zwischen theoretischer und praktizierter Moral und Ethik sich auftut. Das ist weder die Leistung, von der immer wieder in Industrie, Handwerk, Handel und allen anderen die gesellschaftliche Wirklichkeit mitdefinierenden Kreisen gesprochen wird, noch steckt dahinter jene Kompetenz, wohl auch moralische Kompetenz, die letztlich notwendige Bedingung für einen Erfolg sein könnte.
Wie "locker" allzu viele über derartige Frechheiten / Dreistigkeiten (so sehe ich es zumindest!) und Unzulänglichkeiten hinweggehen, wie sie es gar entschuldigen oder bagatellisieren, ist nach meiner Sicht noch schlimmer und bedenklicher als die "Untat" als Auslöser für Beifall oder Kritik selbst. Er oder sie sollte eben nicht "eine(r) von uns" sein, wenn derartiges Fehlverhalten welcher Qualität auch immer zu konstatieren ist.
Wie sollen Lehrkräfte gegen diese herrschende Moral in einer Gesellschaft eigentlich "anpädagogisieren"???!!! Wer möchte sich und sein Leben für diese Sisyphusarbeit denn noch zur Verfügung stellen, oder, um es mit der üblichen Schwulstigkeit vieler sogenannter Gutmenschen zu sagen, noch "einbringen" ...
Meine sehr persönlichen und grundlegenden Gedanken werde ich nun an Hand eines Briefes, den ich einem Ex-Kollegen anläßlich seiner Einladung zu seinem "Sechzigsten", geschrieben habe, zumindest etwas kursiv darlegen. Dieses Geburtstagsfest sollte unter dem Motto "Feelin' Groovy", einem alten Hit von Simon & Garfunkel ablaufen, wie auch die ganze Veranstaltung mit Musik von diesem Duo untermalt sein sollte. Ich gebe zu, diese Musik hat mir früher extrem gut gefallen, gefällt mir ab und an auch heute noch -- dies je nach Stimmungslage --, aber es ist mir auch sehr bewußt, daß jene Zeit längst vorbei ist, daß längst schon neue Anforderungen und Herausforderungen den Lauf der Dinge bestimmen.
Und einmal ehrlich: Wer hat denn in seinem Leben tatsächlich dieses Gefühl, das in dem Lied "Feelin' Groovy" anklingt überhaupt jemals erlebt, und wenn ja, wie lange und wie intensiv?!
Ich gebe zu: Ich habe dieses "feeling" in einigen kurzen Momenten erlebt (bestimmt auch in schönen sexuell stimulierten Situationen in den 60er und 70er Jahren des vorigen -- wie das nun schon klingt! -- Jahrhunderts!), aber war es jemals ein nachhaltiges Grundgefühl? Wohl kaum. Diese Einsicht hat nichts mit Resignation zu tun, schon gar nicht mit etwas depressiver Grundstimmung, nein, es ist einfach Realität, daß das Leben eben nicht nur aus allzu viel Freude und Friede-Freude-Eierkuchen besteht.
Und vor allem jene Personen, die verbal derartige Gefühle besonders hochhalten, denen konnte (und kann) man sehr leicht zuschreiben, daß sie lediglich den Wunsch zum Vater des Gedankens erhoben haben, daß sie ferner denn all die anderen von dieser Art des Gefühls sind. Wer wirkliche intensive Gefühle hat und leben darf, wird es bestimmt nicht nötig haben, diese in die Welt hinauszuposaunen. Von Dichtung, Kunst und Musik villeicht einmal abgesehen...
Ich jedenfalls habe in leicher Textabwandlung dieses Lied dem Einladenden als Ständchen auf CD geschenkt, dies mit einem völlig anderen "Esprit" (eher klagend als frohlockend ...) und einigen Abwandlungen im Text, vor allem statt dem "Life, I love you, all is groovy!" des Originals ein weniger euphorisches aber wohl auch realistischeres "Life, I love you, but what is groovy!" gesetzt...
Also dachte ich mir, einige allgemeine Gedanken -- allgemein allein schon auch deshalb wegen der doch recht persönlichen Distanz zu jenem Personenkreis der Feiernden -- zu formulieren, sozusagen als Geschenk, aber vor allem auch als (Nachdenk-)Ansatz. Und deshalb, und nur deshalb, stelle ich den Inhalt hier vor, nicht ohne vorher einige Leitfragen für eigene Geistesarbeit zu formulieren:
1) Welche Erfüllung kann ich im Leben finden, welche Voraussetzungen für Erfüllung kann ich mir hierfür schaffen?
2) Wie bin ich zu meinen jeweils vorherrschenden Zielvorstellungen gekommen, wie ist ihr Verhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit?
3) Welche Personen haben in der Erziehungen welche Aufgabe; wo liegen Möglichkeiten und Grenzen von Schule?
4) Welche gesellschaftlichen Strukturen behindern schulisches Arbeiten, welche Denkhaltungen und Erwartungen stehen ihm im Wege?
5) Welche innerschulischen Machtverhältnisse behindern das Arbeiten der Lehrkräfte, zuletzt auf Kosten pädagogischer Effizienz?
6) Wie definieren Sie Ihre Vorstellung und Präferenzen im Verhältnis von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung?
7) Wie sollte Ihrer Meinung nach das Verhältnis von Arbeit und Freizeit gestaltet sein; wie können beide zu einem erfüllten / unerfüllten Leben beitragen?
8) Welchen Sinn messen Sie der philosophischen Aussge "Nütze den Tag!" bei und was wäre alles für Sie diesbezüglich "von Nutzen"?
9) Welche Bedeutung haben für Sie die im nachfolgenden Text angedeuteten "Schlüsseltage", welche pflegen Sie besonders und wie und warum?
10)Nehmen Sie kritisch zu der Aussage Stellung: "Am Arbeitsplatz mache ich lediglich meine Arbeit, ansonsten möchte ich davon unbehelligt bleiben."
11)Untersuchen Sie über eigene Erfahrung: "Wenn sich am Arbeitsplatz persönliche Beziehungen ergeben, ist das Glück und Zufall, mehr nicht."
12)Was halten Sie von der häufig gebrauchten Assoziation "Der Betrieb als Familie."?
13)Wie denken Sie über oberflächliche oder tiefergehende Beziehungsgeflechte am Arbeitsplatz? Vorteile? Nachteile? Möglichkeiten? Grenzen?
14)Sollte man sich schon in jungen Jahren auch Gedanken über ein Strukturieren des eigenen Lebens machen, also auch über Ausstiegsmöglichkeiten?
15)Welche Vorstellungen haben Sie vom Lehrerberuf, wie stellen Sie sich "betriebsinterne" Diskussionen und Planungsverhaltensweisen vor?
16)Was bringen Sie mit der Vorstellung "Die Lehrkräfte sind sehr unabhängig." in Verbindung? Sind Sie es? Abhängigkeiten? Freiheiten?
17)Ist es moralisch gerechtfertigt, die Arbeit "lediglich" als Mittel zum Zweck des Gelderwerbs zu sehen und sich ihr nicht "mit Haut und Haar" zu verschreiben?
18)Mit welchem Personenkreis aus welcher sozialen Konstellation sind Sie gerne zusammen und mit welchem nicht? Gründe hierfür?
19)Wie sehen Sie den Nutzen von Liedtexten für Ihr persönliches Leben, wenn Sie dies vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Realität und Wunschwelt betrachten?
20)Ist es wichtig für die eigene Lebensgestaltung, wenn man frühzeitig Abgrenzungsmechanismen und ein (begründbares) Nein-Sagen lernt?
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Sehr persönlich ist dieser Aufsatz einerseits nicht, hätte ich ihn doch vielen Menschen schreiben können, ohne große Veränderungen vornehmen zu müssen. Sehr persönlich ist er andererseits doch, weil gerade diese spezifische Einladung mich zu dem Spaß führte, diese Abhandlung zu schreiben. Vergangenheitsbezogen ist sie insofern, als sie im Rahmen dieses "Alles fließt ...!" einen sprachlichen Bogen spannt, dies zumindest in rudimentären Auszügen, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zwangsläufig miteinander verbindet.
Wichtige Anmerkung: Namen und Orte etc. habe ich aus Gründen der Diskretion verfremdet, sie spielen aber auch für die eigene Arbeit mit der Problematik -- wie soll ich persönlich mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Beruf, Freizeit, im Rahmen der Zeitläufte, im Bogen zwischen dem, was einst war, dem, was nun ist, und dem, was (eventuell) sein wird, umgehen(?) --, keine Rolle.
Dieses Denken ist eben allenfalls nur insofern ortsgebunden, als man seine eigene Verwirklichung am jeweiligen Aufenthaltsort ( etl. auch nicht!) gestalten und pflegen möchte ...
HIER NUN DIE AUSFÜHRUNG (zugleich höfliche Ablehnung der Einladung):
Hallo X-Lehrkraft,
Ich habe mich gefreut, daß Du an mich gedacht hast. Und noch mehr freut es mich für Dich, daß Du einen Dir angenehmen und freudvollen Weg, diesen (einschneidenden?) Tag zu feiern, gefunden hast.
Und weil es für Dich ein wichtiger Tag ist, möchte und darf ich ein paar Worte mehr als normalerweise bei solchen Anlässen üblich finden.
Ich denke, daß es im Leben eine Anzahl von “Schlüsseltagen” gibt, einige, die immer wiederkehren (wie z.B. Geburtstage, Weihnachten, Ostern, also Zeiten mit emotionaler Bindung als Folge von mehr oder weniger bewußter -- und gelebter -- Sozialisation), andere einmalig, oft auch einfach nur in einer Art “intersubjektiver Übereinkunft” zu solchen hochstilisiert, aber nicht selten auch selbst als solche definiert (und da brauchen sie überhaupt nicht gar einen kalendarischen Kontext zu finden).
Wesentlich ist jedoch, daß man, sich einmal einer derartigen Phase verbunden sehend, vielleicht da besonders reflektiert, über Sinn und Unsinn nachdenkt, sich Gedanken über mögliche oder / und notwendige Veränderungen macht.
Und es gibt aber auch solche “Schlüsseltage”, die einmalig sind, Chancen beinhalten und eröffnen, die zum gebotenen Zeitpunkt nicht genutzt, nie wiederkehren.
Wie man beispielsweise die sogenannten (weil von der Mehrheit als solche mitgetragenen) besonderen “runden Geburtstage” gewichtet, ist natürlich dennoch weitgehend eine subjektive Angelegenheit.
Vor zwei Jahren erlebte ich Anitas Vierzigsten als Gartenfest in einem größeren Rahmen gestaltet (sie wollte es so und genoß es auch ersichtlich); ich selbst habe mich – aus welchen Gründen auch immer – von derartigen Ritualen längst verabschiedet (wohl schon als – tragischer? – Ausfluß der 68er Einflüsse), und meine “Schlüsseltage” drängen sich einfach plötzlich und zumeist ohne große erklärbare Assoziationsmöglichkeiten auf, sind dann da, erwarten etwas von mir – und ich natürlich auch etwas von ihnen. Ein seltsames Spiel, und doch sehr ernst.
Gleichwohl spüre auch ich – trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Ferne zu diesen gesellschaftlich sanktionierten und vor allem rhythmisierten “Schlüsseltagen” bisweilen ein Stück Wehmut, daran nicht teilnehmen zu wollen, es auch nicht zu können. So ganz sind halt die Erinnerungen an die Kindheit nicht auszurotten (sollten es gottlob auch nicht sein!); Hermann Hesse hat dies in einem schönen Aufsatz beispielsweise über Weihnachten recht gut beschrieben.
Ich weiß nicht, ob es Dich berührt, ob Du nicht lieber mit “weniger Gedanken” derartige Tage vorbeiziehen lassen möchtest – dazu kenne ich Dich gewiß viel zu wenig. Aber ich denke, es ist sinnvoll und auch angemessen (schon allein wegen der liebgemeinten Einladung), Dir ein paar meiner Gedanken sozusagen “als Geschenk” (weiß Gott keine Vermessenheit und Selbstüberschätzung von mir, sondern einfach als mein Versuch einer netten Geste ...) zu übermitteln.
Vorab aber schon einmal das Allerwichtigste: Ich wünsche Dir, daß es Dir gelingt, mit der Gesundheit und Deinen Träumen (die Du hoffentlich auch noch hast!) gut umgehen zu können, daß Du es vielleicht schaffst, das doch in großen Teilen mittlerweile recht dröge Lehrerdasein vielleicht in einem positiven Sinne abzukürzen und anderen Dingen im Leben (noch) mehr Raum zu verschaffen. (Ich kann aus eigenem Erfahren nur sagen: es lohnt sich. Wirklich!. Daß Du in dem Auf und Ab des Lebensgeschehens weiter Deine schöne Herausforderung triffst und sie auch siehst. Daß die Nähe wichtiger ist als die Ferne, vor allem die Nähe zu sich selbst. – Das ist nur ein gesunder Egoismus ohne Schranken für altruistisches Verständnis ...)
Warum ich so viel schreibe? Ganz einfach, dafür gibt es zwei grundlegende Gründe (neben all den anderen): Erstens habe ich Zeit, viel Zeit dazu (weil ich sie mir dafür nehme) und zweitens ist Schreiben für mich mit den Jahren ein immer wichtigerer Lebensinhalt geworden und ich verfolge damit auch Ziele, sicherlich auch das der Selbstreflexion. Schreiben zwingt auch zu klarem Denken, bleibt letztlich verbindlich, weil die Gedanken dadurch auch freigegeben und nicht rückholbar... Das Alter, genauer: die noch weiter gefaßte und mögliche “freie” Zeit, macht es möglich.
Und da ist auch zumindest ein positiver Aspekt des Alters, des Älterwerdens: daß man selbst dafür sorgen kann, nicht blöder und besserwisserischer und selbstherrlich (gar im Denken, man wisse nun kraft Lebensjahre mehr oder gar genug...) zu werden, also letztlich zu degenerieren. Und darauf darf man sich freuen, das lustvoll ausweiten, was man früher schon lebte und durch Fremdbestimmung des Zeitrahmens nicht ganz so ausgiebig betreiben konnte. Also das Reifen bis zum letzten Tage sollte das Gebot sein, das Streben lenken, was auch bedeutet, offen zu bleiben für die mannigfaltigsten Eindrücke unterschiedlichster Qualität.
Wie steht es da mit Veränderung auf diesem Weg? Für mein Empfinden hat es niemand schöner und klarer ausgedrückt als der von mir sehr geschätzte Heinrich von Kleist (dem bekanntlich die Geborgenheit und finanzielle Absicherung eines Johann Wolfgang von Goethe versagt geblieben ist und der es dadurch im Leben füglich schwerer hatte, was den sonst so gescheiten Goethe leider nicht zu einer Relativität der Betrachtungsweise über Kleists Wirken sondern nur zu dümmlicher Häme veranlassen konnte – wollen wir also bei der Betrachtung stets auch die Umstände anderer mitdenken, was freilich nicht heißen soll, mit all jenen dann aus dem gleichen Napf zu fressen oder gar anderen, näheren, tieferen Umgang mit den gebotenerweise “fair” Bewerteten zu pflegen, wenn danach weder Sinn noch eigene Lebenspraxis streben ... Dort sich abgrenzen, wo man es für notwendig und sinnvoll hält, gleichwohl sich um Verstehen und Erklärung bemühen, sollte also die Devise lauten.):
“Ein freier, denkender Mensch bleibt da nicht stehen, wo der Zufall ihn hinstößt; oder wenn er bleibt, so bleibt er aus Gründen, aus Wahl des Bessern. Er fühlt, daß man sich über das Schicksal erheben könne, ja, daß es im richtigen Sinne selbst möglich sei, das Schicksal zu leiten. Er bestimmt nach seiner Vernunft, welches Glück für ihn das höchste sei, er entwirft sich seinen Lebensplan, und strebt seinem Ziele nach sicher aufgestellten Grundsätzen mit allen seinen Kräften entgegen. Denn schon die Bibel sagt, willst du das Himmelreich erwerben, so lege selbst Hand an.”
(Heinrich von Kleist in einem Brief an Ulrike von Kleist im Mai 1799)
Für meinen Teil habe ich zumindest so einen Plan schon recht früh entworfen und wesentliche Teile daraus auch verwirklichen können, so auch der rechtzeitige Übergang in die “lohnarbeitsfreie Sphäre”; zugegeben: mit anderen Plänen bin ich teilweise auch – oder bisweilen auch ganz – jämmerlich gescheitert (aber das gehört ja auch zum Leben – es muß aber ja nicht gerade das Motto “Scheitern als Weg” heißen ...), mit einigen anderen allerdings nur bislang, was gleichzeitig bedeutet, daß noch genügend Ziele “da” sind.
Und ich denke mit der Gesundheit als “conditio sine qua non”, die man also, so weit es einem selbst gegeben und möglich ist, pflegen sollte, im Rücken – also an und für Dich auch als Elementarwunsch ausgesprochen! – dürfte diese Aufgabe für den von Kleist so beschriebenen Menschen sehr wohl fruchtbringend zu leisten sein – zumindest als Zielrichtung, als Weg, als Aufgabe.
Ein Jugendfreund schrieb mir vor drei Jahren anläßlich seiner Einladung zu seinem Fünfzigsten (wir hatten uns bis dato fast 30 Jahre nicht mehr gesehen), daß das Alter seine Vorzüge hätte, “aber die Jugendzeit viel, viel schöner gewesen wäre”.
Nun, ich halte derartige Vergleiche allein schon deshalb für unsinnig, weil hier nichts reversibel ist, weil, selbst wenn es so gewesen wäre (und dies jedoch dann ebenfalls ein Denken voraussetzt, das schon sehr von der umfassenden Wirklichkeit abstrahiert, damit diese aus falschem Vergleich gewonnene – geronnene? – Bewertung möglich wurde), es einem nichts hülfe. Es gilt hier eben das Akzeptieren der Tatsachen. Und da bietet das Alter schon auch eine ganze Menge Freudvolles (Wer es jedoch gerne negativ hätte, der lese zum Beispiel eingehend Sybille Bergs Romane oder Gontscharows Oblomow ...) und dem Hang zum Jammern Entrückbares.
Tausende von Aussagen über das Alter, über die Jugend, lassen sich finden, zitieren, einige Überlegungen habe ich auch selbst immer wieder angestellt und zu Papier gebracht. Vielleicht ist die folgende Anmerkung zumindest in wesentlichen Teilen, freilich vom zahlenmäßig erfaßbaren Verlauf zumindest teilweise absehend, eine sinnvolle (und damit auch reflektorische) Näherung an die Problematik.
Was ist eigentlich Alt? Was Jung?
Jung, wo die Zukunft vorwaltet.
Alt, wo die Vergangenheit die Übermacht hat.
Novalis
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Bei mir ist es mittlerweile überwiegend so, daß mich das Vergangene recht wenig interessiert, sofern es nicht mit meiner unmittelbaren Gegenwart und einer wie auch immer dann gearteten Zukunft zu tun hat. Ich habe es keine Sekunde bereut, den frühzeitigen Absprung von jenem Berufsleben getan zu haben, ein Vorhaben, das ich / wir als Clique schon in unseren schönen (in mancherlei Belangen auch an Simon & Garfunkels “Feelin’ Groovy”-Feeling zumindest in Ansätzen von Zeitfragmenten erinnernd!) Baggersee-Tagen in den 70er und 80er Jahren immer wieder ernsthaft diskutierten und mit oft auch ausufernder Phantasie durchspielten.
War zwar der Umgang mit den Jugendlichen eine sehr schöne und wertvolle und sicherlich auch das eigene Leben mitdefinierende Angelegenheit, so war die eigentlich von mir gesuchte intellektuelle Herausforderung (Wofür sollte der Mensch denn schon sein Gehirn und die Möglichkeit zum Geist haben, wenn er sie im Kantschen Sinne kritisierbar brachliegen ließe!) in jener Tätigkeit damals schon sehr, sehr dürftig – so empfand ich es jedenfalls! – und konnte deshalb durch mich nur über zielgerichtete, kompensatorische Zeitgestaltung außerhalb des beruflich gesteckten Zeitrahmens einigermaßen zufriedenstellend gestaltet und erlebt wie auch gelebt werden.
Daß dies zu einer doch recht strikten Trennung zweier Lebenssphären – dort die schulischen Anforderungen mit ihrem administrativen und sozialen Kontexten, hier dann das “eigentliche” erholsame und geistvollere Leben – führte, war gewiß auch unbefriedigend, vor allem vor dem Hintergrund, daß ich doch recht viel meiner Zeit im Berufsfeld verbringen mußte, sehr viel davon, sieht man einmal von der Notwendigkeit des Geldverdienens ab, übrigens enorm sinnlos.
Man denke nur an all die blödsinnigen Konferenzen, den Riesenhaufen an Redundanz (diese dann auch noch bei trivialen Umständen und in vielen der eigentlichen Sache, dem Helfen und Unterstützen von Jugendlichen bei ihrer “Werdung”, eher kontraproduktiven Aktionen im Sinne eines häufig unerträglichen Input-Output-Verhältnisses), an die administrative Schwerfälligkeit und wohl auch – das muß man deutlich sagen! – Blindheit gegenüber der Realität, um nur ein paar der Ungereimtheiten zu nennen. Ganz zu schweigen von der weitverbreiteten Inkompetenz auf allen Ebenen!
Ich will nicht so weit gehen wie ein ehemaliger Kollege aus dem Allgäu, der einmal sehr deutlich feststellte, es gäbe “nichts Verlogeneres als unser Schulsystem”, denn gegen diese Allaussage spricht die Tatsache, daß es in unserer Gesellschaft (andere Gesellschaften interessieren mich hier nun nicht, da ich ja in dieser hier lebe und auch weiter leben werde, es auch mangels brauchbarer Alternative möchte) diese Verlogenheit auf viel zu vielen Feldern gibt.
Aber es stimmt schon: Verlogen ist dieses Schulsystem, diese Blindheit gegenüber Wirklichkeit, dieser dämliche Hang zu Euphemismen, diese oberflächliche Liebe oder Lust zu substanzloser Etikettierung, etc. schon in einem sehr hohen Maße. Und damit folglich auch wenig hilfreich für Erziehung und Bildung der jungen Menschen.
Viel, viel früher glaubte ich ja noch an die Macht der Veränderung, aber die Begegnung mit so vielen einfältigen und vom und mit dem Geiste nicht gerade gesegneten Zeitgenossen, vor allem aber auch doch die – nett gesprochen – geübte Zurückhaltung beziehungsweise – weniger nett, aber wohl realistisch festgestellt – die praktizierte Feigheit und Subalternität im Kampf gegen Widrigkeiten hat mich doch schon recht bald nach für mich gangbarere Wege suchen lassen, um das philosophisch doch legitimierbare Lebensziel, ein durchaus auch mit hedonistischen Komponenten angereichertes und erfülltes Leben!, bei weitgehender Reduktion von Fremdbestimmung und überflüssigen Abhängigkeiten, vor allem möglichst frei von Sisyphusiaden, leben zu können, anzusteuern. (Motto unter anderem, damit man nicht in der Untätigkeit oder im Bestehenden festkleben muß: Wer nicht weiß, welchen Hafen er denn ansteuert, für den ist kein Wind der rechte.)
Ob mir das gelungen ist? Es fehlen sicherlich die Jugendlichen von früher, die soziale und psychologische Auseinandersetzung mit ihnen – dies auch im Sinne des eigenen stetigen Weiterreifens! – durchaus, aber sonst: fehlt kaum etwas von alledem.
Und vor allem auch dies: Mein Englisch kann ich nun gänzlich der Literatur widmen oder aber “normaler” Konversation öffnen, muß es nicht mehr auf doch recht bescheidenem Niveau den Gefährdungen des Rudimentären und Degenerierens aussetzen.
Anerkennung (die man bekanntlich aus dem und im Beruf ebenfalls erfahren sollte)? Na ja, diejenige, die man sich selbst zu verschaffen vermag und die weniger nahestehender, kompetenter (dies auch auf das jeweilige Sachgebiet bezogen) Personen reicht da (mir jedenfalls) durchaus zur Befriedigung und Fortentwicklung aus. Und diejenige von Hinz und Kunz war mir eigentlich recht früh schon sehr egal und verzichtbar ...
Und die Zeit? Eigentlich unvorstellbar, schon gar nicht logisch, mathematisch schlicht: unsinnig, unfair all denen gegenüber die in ihrem beruflichen Alltag voll eingebunden sind – aber: ich empfinde, daß ich nun weniger Zeit zur Verfügung habe, sprich: keinen Leerlauf, als zu Zeiten der Berufstätigkeit (jetzt höre ich die Übereiferer schon wieder hirnrissig und nach “oben” blickend eilfertig hüsteln ...), zu sehr bin ich beschäftigt. Wobei darunter nun natürlich andere Dinge zu verstehen sind als es unter dem Aspekt der lohnabhängigen Arbeit üblich sein mag und sich ergab.
Aber entscheidend ist: Die Zeit gehört weitgehend mir, ich entscheide weitgehend über Einteilung und Verwendung, das Verhältnis von Selbstbestimmung zu Fremdbestimmung ist in hohem Maße optimiert, und dann spielt es keine Rolle, wenn ein solcher Zeitrahmen oft dann auch “randvoll” angefüllt ist. Ganz im Gegenteil!
Für mich ist es eine wertvolle Beschäftigung, wenn ich mit Fahrrad durch den Wald bei schönem Wetter zum See fahren kann, dort meinen Gedanken nachhänge, ungestört, lediglich der Lust, dem Antrieb, aber auch genauso wertvoll: der Faulheit, gehorchend. Das ist für mich produktiv! Oder wenn ich am Schreibtisch sitze und schreibe, schreibe, schreibe. Aber auch wenn ich mich mit den unterschiedlichsten Themen ohne zeitliche Begrenzung auseinandersetzen kann, einen Teil davon im Web verarbeite und mit interessanten, kritischen Menschen in Austausch trete – also mit Menschen, die aus welchen Gründen auch immer GERADE NICHT in vermeintlich einfach (er-)scheinender (weitestgehender) Anpassung ihr Dasein fristen .
Aber auch, und das geschieht natürlich seit meinem Abschied von der Hauptschule Y-Ort sehr häufig: wenn ich unterwegs bin. Unterwegs heißt auch, all die Orte und Landschaften aufsuchen und erleben, von denen ich früher nur gehört habe (zum Beispiel aus Bindungen des literarischen Schaffens, aus Geschichte oder auch “nur” mittels schöner Bilder und von Erzählungen). Ja, ich bin sehr viel unterwegs. So um die Hälfte des Jahres habe ich seit meinem Ausscheiden auf Reisen verbracht.
Da kam mir damals auch der neu eröffnete Memminger Flughafen entgegen; ich habe das extrem gut genützt und wer die Entwicklung dort verfolgt hat (ich fand, sie war absehbar, deshalb auch mein damaliges intensives Fliegen ...), der wird sich sehr schnell an die alte Weisheit “Get while the getting is good!” erinnern und diese dann auch bestätigt sehen. Und weil ich das alles so schön ausleben konnte, durch das ermöglichte antizyklische Verhalten durchaus auch zu finanziell gut zu tragenden Konditionen, fiel mir dann, als die Attraktivität der Banalität wich, der Abschied vom Fliegen nicht schwer (Bei Flügen von Memmingen konnte man auch so herrlich die Provinzialität erleben, manchmal allerdings auch erleiden ...) und bin nun seit zwei Jahren auch eifriger Bahnfahrer (sogar mit Bahncard – hätte mir früher nie vorstellen können, daß ich mir einmal “sowas” zulegen würde ...) und lerne Deutschland, vor allem den Osten von den schönsten Seiten können. (Eintrübungen entstehen allerdings abends im Hotel meist nur dann, wenn man die dämlichen Politfressen mit ihrem seichten und nicht selten verlogenem Gelabere im Fernsehen sieht; also gilt weitgehend nur das Leonard Cohensche “I love the country but I don’t like the scene.”)
Ich lese viel, höre auch viel Musik, gehe ab und zu in Konzerte wenn ich unterwegs bin und es sich ergibt (dann allerdings eher in kleinere Örtlichkeiten, vor allem in Berlin), meide aber zunehmend Coverbands und all jene, die ich mit “früher” ganz tief und innig identifiziere. Im letzteren Fall höre ich mir nur mehr die Musik von Tonträgern an, dann im Original, und vor allem im Bewußtsein um die Relativität der Bedeutung. Die Zeiten sind nun mal vorbei. Es gibt nur wenige Gruppen, Sänger, etc., die mit ihrer Musik “systematisch und qualitativ” gealtert sind (spontan fallen mir nur die Rolling Stones, Bruce Springsteen und natürlich der ohnehin schon sehr früh “alt-gereifte” Bob Dylan ein, aber es wird schon noch einige mehr geben ...); ich empfinde es eher als peinlich, wenn dann so Altgefurchte mit ihren früheren Ergüssen kokettieren und sich feiern lassen oder es auch nur versuchen. Da dann schon lieber Katie Perry, Amy MacDonald, und andere “frische” Zeitgenossinnen! Ja, ja, es gibt natürlich auch noch gute männliche Exponenten zeitgenössischer Musik, natürlich, habe ich auch in meiner Sammlung, bestimmt...
Im Februar (merke: war seinerzeit Zukunft, heute aus der Sicht des 2026 ist es Vergangenheit!) werde ich am Anfang in den Ruhrpott fahren, dort Bekannte besuchen und auch wieder einmal die Veränderungen in meiner früheren wiederum gänzlich anderen Arbeitsumgebung (damals: Bergbau, Kraftfahrer, Verkäufer, Diskjockey) aufnehmen. Für Ende Februar steht eventuell ein Besuch in Frankfurt / Oder an (Ich bin dort eigentlich bei der Kleist-Gesellschaft angemeldet.), aber so ganz sicher ist diese Fahrt noch nicht, vielleicht muß ich sie auch nochmals zum wiederholen Male verschieben.
Da ich mich aber nicht festlegen kann, es auch nicht will (das halte ich selbst mit privaten Einladungen im engen Kreise so; die einzige Ausnahme beim Festlegen ist das unvermeidliche frühzeitige Kaufen von Fahrkarten und ggf. Hotelunterkünften, weil das billiger ist, mir aber auch wenigstens einen Hauch von Taktung im Lebensrhythmus abverlangt), halte ich es für sinnvoller und ehrlicher, Deiner Einladung nicht verbindlich zuzusagen.
Ich könnte mir allenfalls eine Spontanentscheidung am entsprechenden Tag vorstellen, erwarte dann aber auch keinen Aufwand für mich. Denn es ist mir schon klar: Wenn man mit jemanden nicht planen kann, weil derjenige weitgehend “planungsresistent” ist oder sich gibt, dann hat er auch nichts zu erwarten.
Sollte ich (eher besser: wider Erwarten) doch kommen, beteilige ich mich selbstverständlich an einem Obulus (bewußt gewählt diesen Begriff in Erinnerung an eine “kriegerische” Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Bundeswehrvorgesetzten, die er übrigens nicht gewann ... – und dem ich den geforderten “Obulus” verweigerte, auch wenn dies seinerzeit nach seinen Worten “so usus” war.).
Jedenfalls finde ich es toll, daß Du Deinen Weg gefunden hast, diesen “Schlüsseltag” einmal anders und damit wohl auch weniger “orthodox” zu feiern. Gute Idee. Freue mich für Dich.
Aber wenn Du schon kein richtiges Geschenk annehmen willst, dann vielleicht als kleinen, wirklich aber sehr, sehr kleinen Anteil am musikalischen Geschehen im übergroßen und nicht überschaubaren Weltengetriebe diese kleine, beiliegende, auch von allerdings nur musikalischer Retrospektivität getragene, hand-made-CD und der an Dich gerichtete Gedanke: Wenn es irgendwie geht, höre rechtzeitig auf mit dieser Arbeit; das Leben gibt doch noch sehr viel mehr her. Ich weiß, wovon ich rede.
Trotz allem werden Dir dann sicherlich – so wie es mir erging und ab und an auch noch ergeht – die Jugendlichen fehlen (Dir vielleicht auch noch mehr ein Kollegium und andere Dienststellen?!), aber bei allem was man tut, gilt und gibt es immer einen Bruchstrich und die Bilanz zu ziehen; Nachteile hat alles, egal was man tut, auch, also heißt es, gemäß seinen eigenen Zielen die Zusammensetzung und das Zusammenwirken all der Variablen zu optimieren. Und bei Dir und Deinen Interessen, auch vor dem Hintergrund Deiner etwas belasteten Gesundheit, kann ich mir ein gehaltvolles Leben außerhalb dieses – wie sagte doch jener Ex-Kollege? – “verlogenen Systems” recht gut vorstellen.
Irgendwie ist das Leben doch auch ein gutes Stück “Irrgarten” und man hat in Slalomläufen sich schon auch um Schleichwege heraus aus dem, was andere für “unvermeidlich”, für “unabänderlich” halten, zu bemühen. Ich meine: Wenn sich etwas schon so gar nicht verändern läßt ...
Daß man dabei nicht nur Slalomläufer sein muß (gar in Form eines Hasenfußes oder Feiglings oder einer “Entschuldigung-daß-ich-lebe-Attitüde”), daß man sehr wohl auch gegenhalten kann und muß, ich denke dafür habe ich genug Zeugnis in meinem bisherigen Leben abgelegt, nicht wahr?
Übrigens auch jetzt noch ist mir Aktivität nicht gerade fremd, beispielsweise: daß man bei der Bahn bei der Platzbuchung nicht mehr die “Katze im Sack kaufen muß” (meine Worte beim Beschwerdevorgang bis hin ins Ministerium), kann ich mir als Erfolg zurechnen. Viele, auch bei angegangenen Stellen, insbesondere bei der Bahn selbst, hatten mir immer wieder nahegelegt, wegen Aussichtslosigkeit den Kampf aufzugeben. Das Ziel hatte mir eigentlich schon Recht gegeben, der Erfolg aber dann zusätzlich auch: Dort wo man früher nur seinen Sitzplatz-Wunsch äußern konnte, anschließend aber selbst dann verbindlich bereits gebucht hatte, wenn der Wunsch unerfüllbar war, erscheint jetzt ein grüner Schriftzug “ihrem Wunsch kann entsprochen werden” oder ein roter, der sinngemäß mitteilt, daß der Wunsch unerfüllbar sei und ob man unter diesen Umständen die Platzbuchung doch noch fortsetzen wolle ...
Du siehst, so ganz raste und roste ich auch in gesellschaftlich bezogenen Angelegenheit nicht, auch wenn, zugegebenermaßen, als Initialzündung ein durchaus auch egozentrisches Motiv hier wirksam gewesen sein mag. Aber wo und bei wem ist es das denn nicht auch ein Motiv?!
Und das ist ein weiterer Aspekt von Abwesenheit der “fremdbestimmten” Zeit, man kann diesen Gewinn auch sozial wieder sinnvoll investieren, etwas zurückgeben; aber da suche ich noch nach einer nicht nur auf Einzelfälle beschränkten Lösung zwischen dem Spagat der von mir gesuchten und gewünschten Effektivität einerseits und dem Verhindern von dümmlicher Fremdbestimmung und sinnlosem Zeitdiebstahl andererseits. (Womit das Schulsystem wieder gut als Beispiel für diese Dichotomie herhalten könnte.) Es wäre halt so schön: Viel Wirkung, wenig Geschwätz, wenig Bevormundung, wenig Selbstdarstellung, dafür viel Output. Aber es gilt wohl: keep on dreaming ... Aber auch: keep on searching ... (Beides aus bekannten Songs!)
Und beim schönen “feeling groovy” (aber wann und wie oft hat man denn im Leben dieses Gefühl so schön und frei und ungezwungen, wie es Simon & Garfunkel unnachahmlich musikalisch und stimmlich, auch textlich rüberbringen??!!) fällt mir immer wieder ein, wie ich dem Freistaat und seinen Rechtsakrobaten vor dem Arbeitsgericht zeigen konnte, daß – muß ich doch gleich den seligen Franz-Josef Strauß zitieren – “pacta sunt servanda” auch für besserwisserische “Obrigkeitsstaatler” gilt und ich eben keine Mehrarbeit, von der Obrigkeit so einfach verfügt, zu leisten hatte.
Es gäbe noch ein paar mehr Beispiele, mit denen ich aber nun weder protzen noch langweilen möchte, auch einige wenige, die man besser stets für sich behält, denn schließlich zählen ja die Ergebnisse in der subjektiven Bewertung und nicht irgendein bewunderndes, oft aber auch nur fadenscheiniges Schultergeklopfe oder gar beifällige Formen von Scheinheiligkeit ...
Lange Rede nun, kurzer Sinn: Carpe diem!!!!! X-Lehrkraft, genieße es und – nochmals – : Get while the getting is good!
Wie Du weißt, habe ich mich bislang stets von Veranstaltungen in Y-Ort an der Schule ferngehalten (und früher war ich nur da, wenn es so gar nicht zu vermeiden war, dies dann oft unter dem Rubrum wortgewordener Hilflosigkeit “Dienstpflicht” angeordnet).
Dies hatte nie mit Abwesenheit von Zuhause (und wenn: dann war sie nur zufällig) zu tun, auch nicht mit Groll und Hader, sehr wohl aber mit dem Bewußtsein, daß etwas vorbei war, und zwar: im Guten vorbei war.
Du weißt bestimmt noch, daß mich schon sehr viel an dem Drumherum gelangweilt hat, daß es einfach nicht meine Welt war, überwiegend “nur” (m)eine Arbeitswelt gewesen ist, die man ja nicht gerade monstranzhaft bis zum letzten Ende vor sich hertragen muß. (Für Arbeitswütige, Workaholics, zu einer von lohnabhängigen Arbeit nicht Loslassenkönnende, vor allem für jene, die gar noch um Verlängerung über das unbedingt notwendige Maß hinausreichende Arbeitszeit bettelnde Menschen, sei es nett und positiv sowie subjektiv gesagt: Es gibt so viel Schönes, das ich nicht brauche! Damit dürfte dann auch niemand Grund für irgendeine wie auch immer geartete Kränkung sehen.)
Aber grundsätzlich denke ich schon, daß meine Kontakte nach Y-Ort doch sehr spärlich waren und es demzufolge immer noch sind und sie auch keinen großen Sinn ergeben würden; das alles ist nun doch schon sehr lange her und mir auch noch viel fremder geworden als es mir ohnehin meist in großen Teilen schon immer war.
Vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal Ruhe für ein gemeinsames temporäres Genießen; des Lebens Zufälle sind bekanntlich zahlreich und vorerst bin auch ich zumindest in räumlicher Erreichbarkeit, was allein schon statistisch gesehen Möglichkeiten eröffnet. Vielleicht sogar an einem Baggersee, Du dann auch mit dem Fahrrad (Brot und Getränke im Gepäck und im Gepäck jede Menge Zeit, Zeit, Zeit ...) und weg von der Pflicht an einem Schularbeitsplatz erscheinen zu müssen ...
Alles Liebe und den erhofften Erfolg sowie den Weg, den Du Dir wünschst!
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Live-Konzert am Leidseplein in Amsterdam
Am Wolfgangsee / das ehemalige Startbild dieser Webseite (augenscheinlich eine Alternative ...)
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