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Hier stellt sich stets die Frage: Ist das alles reine Phantasie oder aber ist es unvorstellbare Wirklichkeit oder gar Wirklichkeit, über die man sich nicht mehr groß wundert?
Hier ebenfalls auch einige Überlegungen und Sichtweisen sowie Elemente aus dem "Erleben" meiner Kunstfigur Hans Nepomuk Dörfler (H.N.Dörfler)
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Vorstellbar?
Ein erstes Szenario
Es wiehert aus einer Amtsstube. Diesmal ganz der Verfügbarkeit moderner Telekommunikation gehorchend. Die Lehrkraft habe alle zwei Stunden zu prüfen, ob eine E-Mail ein- oder angenüstert kommt. Das elektronische Äquivalent eines Pferdebollens als Dungmittel für einen innovativen Schulalltag sozusagen.
Was ist jedoch die Aufgabe einer Lehrkraft gleich wieder? Ach ja, sie soll Unterricht halten. Halten, was versprochen! Aber dagegen stehen von nun an eben revolutionäre Erkenntnisse aus höherer Warte, freilich derart revolutionär, daß sie vielen aus den nachrangigen Etagen verborgen bleiben müssen. Jedoch, was es gibt, gilt es zu nutzen! Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit haben da nur mehr nachrangigen Wert.
Es herrsche die Bedeutungshoheit faktischer Selbstdemotage (die freilich von der normativen Kraft politischer Faktizität verhindert wird). Wir senden, wir senden, wir senden, wir zeigen unsere Lebendigkeit, womöglich alle zwei Stunden. Wir verbreiten Wichtigkeiten, Unverzichtbarkeiten, derart imposant, daß keinerlei zeitliche Verzögerung in der Wahrnehmung unserer Ergüsse geduldet werden kann. Also: alle zwei Stunden! Gehört! Verstanden! Natürlich keine Ausreden wie andere Aufgaben, die dringlicher, die eigentlicher, erscheinen. Wir haben gesprochen! Hic Rhodos, hic salta! Ex cathedra. Alle zwei Stunden! Verstanden!
Dem gar nicht allzu kritischen Beobachter derartiger Szenen könnte auffallen: Können die so schlecht planen, daß sie wirklich alle zwei Stunden potentiell mit Anspruch auf unverzügliches Gehör tätig werden müßten? Sind die Strukturen derart anfällig, daß binnen zwei Stunden das System zu kollabieren droht, sollte die eingeforderte Aufmerksamkeit unterbleiben?
Hat man sich dem Rhythmus von Börsianertempo ohne auch nur einen zwingenden, sachimmanenten Grund angenähert, womöglich aus einer Gestaltungshybris heraus? Glaubt man, die Schulwelt könnte plötzlich stehen bleiben, wie tot verharren, sollten die Netzintervalle ausbleiben, mißachtet werden?
Oder, und doch nicht so ganz unwahrscheinlich: Will man sich einfach nur wichtig machen? Sich als unentbehrlich darstellen? Die Macht mit Bürostuhlwinden stabilisieren zu suchen? Hat man da nicht verstanden, daß moderne Technologien Verfahrensweisen und das Leben eigentlich leichter und nicht schwerer machen sollten? Ist man im infantilen Gebaren stecken geblieben, als Spielzeug zu verstehen, was mitnichten eines ist, damit gleichwohl zu spielen -- ähnlich dem Kind, das erstmalig die Wirkung eines Lichtschalters entdeckt und ihn nun unentwegt geradezu zwanghaft an- und ausschalten muß?
Hat man keinen vernünftigen Zugang mehr zum Verhältnis von Input und Output? Kann man Überflüssigkeiten und Optimierung nicht mehr handhaben? Ach, was wäre denn das für eine armselige hierarchische Struktur, so sie denn wie geschildert wirken würde... Das wollen wir doch alles nicht glauben! Das muß doch im Reich des Märchenhaften bleiben! Das darf einfach nicht wahr sein! Das muß doch dreist erfunden sein! Oder doch wahr? Tollhausakrobatik? Und wenn es doch wahr wäre? Wenn die Firewall dann radikal wirken würde? Wenn der Papierkorb zum Maß aller Dinge würde? Ja, wenn ... Ja, dann wäre man doch nur wieder da angelangt, wo dereinst alles seinen Anfang genommen hatte. Oft sind es eben die dünnsten Gefieder, die sich am meisten aufplustern ...
Ein zweites Szenario
Eine beliebte Lehrkraft. So firmieren wenigstens einige, vor allem aber er selbst über sich. Immer Fünfe gerade sein lassen. Dies als Metapher zum Verbergen eigener Unzulänglichkeit, vor allem auch: eigener Unlust. Die Haare immer noch endlos lang (länger in der Vorstellung als die Wirklichkeit es hergibt), die Elektogitarre am liebsten fortwährend um den Hals baumeln lassend. Geht leider nur nicht immer. Nicht nur der Toilettengang zeigt Grenzen auf, nein -- diverse Gebrechlickeiten als Zeugen schnell sich nähernden Alters, noch schneller sich entfernender Jugendlichkeit. Er merkt es nicht, und wenn doch, dann verdrängt er es. Wenigstens gekonnt vor sich selbst, dem aufmerksamen Beobachter bleibt seine Spießerhaftigkeit gleichwohl kaum verborgen. Sein größte Stärke ist die Klugscheißerei. Ein Besserwisser vor dem Herrn. Er hält sich für medienkompetent, bleibt dafür den Beweis jedoch immer wieder schuldig. Paßwort bleibt leer, einfach die Entertaste -- das genügt ihm in Zeiten wie diesen. Wer in seiner Mailadresse zukünftig nicht den richtigen Namen angibt, ein Pseudonym wählt, erhält zukünftig nichts mehr von seinen elektronisch vermessenen Weisheiten, droht er. Ein Mann kompletter Lächerlichkeit eben. Schon vor zehn Jahren war er eigentlich wie heute. Man könnte an Brechts Herrn Keuner denken, aber nicht einmal derartige Gedanken hat jener unterrichtende Zeitgenosse verdient. Für seine Umgebung hat er überwiegend spöttische und verachtende Wörter übrig, es zählt nur, was ihm selbst Vorteil und Gewinn verschafft. Nichts anderes. Sicherlich: ab und zu streut er ein paar Rosinen unters Volk. Aber selbst dann steht seine ureigennützige Zielverfolgung am Zenit seiner Geistestätigkeit. Auch ein Meister im Bagatellisieren von Problemen. Ein Künstler des Rationalisierens. Hat einer eine schleichende Krankheit, eine, die erfahrungsgemäß ein zeitiges Ableben zur Folge hat, dann entfleucht ihm vor der Notwendigkeit von Transportproblemen schon einmal lapidar ein Vielleicht sind wir ja bald auch wieder einer weniger, zum eigentlichen Luft holen nimmt er sich dann aber keine Zeit, denn umgehend gilt es schon die nächste bösartige Spitze ins Umfeld zu kotzen. Er hält sich für jung geblieben, für kritisch-aufgeschlossen, für sozial, für kollegial -- zieht das auch gekonnt durch solange es ihm Vorteile bringt, solange es ihn nicht mit Arbeit belastet, solange er damit unerkannt bleiben kann. Widerlich so ein Typus! Merkt nicht, daß er selbst leicht sein eigener Urgroßvater sein könnte, was sein Credo Ich bin auf der Höhe der Zeit angeht.
Eine ekelhafte Type! Ein Mensch, den es so schlicht nicht gibt! Nicht geben kann! Eine Erfindung meines Geistes in dem Versuch, das Unmögliche zu skizzieren! Doch -- beim zweiten Überlesen der Zeilen kommen mir plötzlich erhebliche Zweifel. Bin ich einer solchen Gestalt nicht doch schon einmal begegnet?
Ein drittes Szenario
Hans Nepomuk Dörfler erzählt folgende Begebenheit. Eines Tages stand eine junge Anhalterin auf der Straße, die in ein nahegelegenes Dorf führt. Nicht immer unterbreche er seine Fahrt, wenn jemand per Anhalter zu fahren begehe. Früher reiste er selbst recht häufig auf diese Art, nahm es dann dankbar an, wenn er nicht allzu lange am Straßenrand warten mußte und sich jemand seiner erbarmte. So ist es genau diese Erinnerung, die ihn trotz zunehmender Bedenken und steigenden Widerwillens gegen diese Anhalterei, wie er mittlerweile sich auszudrücken pflegt, ab und an den verkehrsbezogenen Gutmensch (auch seine Worte!) hervorkehren läßt. Im letzten möglichen Augenblick hielt er also an. Sie war ein hübsches Junges Mädchen und schnell kamen beide ins Gespräch. H.N. Dörfler war meistens sehr redselig, vor allem auch interessiert an allem, was in der Welt so vor sich geht. Sie gehe noch zur Schule, im Nachbarort, so erfuhr er recht schnell. Die Lehrer wären überwiegend brauchbar (so ihre Worte), einer allerdings ginge mit Schülerinnen ins Bett (sie sagte: fickte mit einigen ihrer Mitschülerinnen) und das wäre auch bekannt, aber nichts geschähe in jener Angelegenheit. H.N.Dörfler glaubte ihrer Erzählung nicht, sagte ihr das auch, meinte, ob es sich denn da nicht um Jungmädchenphantasien handele (so drückte er es aus!). Sie meinte, er könne dies ihr ruhig glaubben oder es auch bleiben lassen, ihr wäre das gleichgültig, sie wüßte jedenfalls wovon sie redete. Es blieb keine Zeit mehr, das Thema zu vertiefen, zu schnell war man am Zielort angelangt. Sie lachte ihn noch freundlich an, bedankte sich wiederholt und küßte ihn zum Abschied schnell auf die rechte Wange, schon war sie ausgestiegen. H.N.Dörfler sah ihr noch ein paar Sekunden nach, sie war wirklich anziehend in jeglicher Hinsicht -- so dachte er -- und fuhr weiter. Er beschloß, ihr jene Geschichte von dem sexbesessenen Lehrer nicht abzunehmen, sie als Märchen abzutun. So dauerte es dann auch nicht lange, bis er den Vorfall vergessen hatte, ihn folglich jenem Bereich zuführte, in dem tausenderlei Erfahrungen und Erlebnisse im Dunkel menschlicher Erfahrungsschätze ihr Dasein fristen, wo sie dann für immer verborgen blieben oder zur angemessenen Zeit, vielfach aber auch zur Unzeit wieder heraustauchen.
Es muß ein paar Jahre später gewesen sein. So ungefähr drei oder vier, können aber auch fünf oder sogar einige mehr gewesen sein. So genau konnte H.N.Dörfler das nicht mehr einordnen. Während eines Urlaubs an der Ostsee lernte er eine Frau kennen, wie er auch schon im fortgeschritteneren Alter. Sie kamen sich im Laufe der Tage dort näher, aber nicht so nahe, wie die Leser es nun vielfach vermuten würden. Die Frau erzählte ihm eine Geschichte. Und es war genau diese Geschichte, die ihn an die Anhalterin erinnerte, die er damals mitgenommen hatte. Die Frau erzählte ihm unter anderem, daß sie einige Jahre an einer Schule als Elternbeiratsvorsitzende tätig gewesen wäre. Das hätte ihr meistens viel Spaß gemacht, vor allem auch weil sie dabei sich auch selbst fortentwickeln konnte -- sie hasse Stillstand im Leben! -- und der im Leben nie zu vermeidende Ärger hätte sich meistens auch in ertraglichen Grenzen gehalten. Aber bei einer heiklen Angelegenheit (so ihre Worte, die sie mit erhobener, wütender Stimme besonders betonte) hätte es ihr die Schuhe ausgezogen (so sprach sie tatsächlich). An jener Schule wäre ein Lehrer gewesen, der stets ruhig und sachlich wirkte, sich extrem engagiert gab und mit seiner Erscheinung auf die allermeisten einen guten Eindruck machte. Sie wäre zunächst auch genau diesem Eindruck erlegen, allerdings hätte sie intuitiv gespürt, daß es hinter jener durchaus von den anderen Lehrkräften in deren Durchschnittlichkeit abweichenden Erscheinung noch eine andere Person geben könnte. Sozusagen ein zweites Ich. Und genau jenes Gefühl erzeugte in ihrem Innern wiederholt eine Art von Dumpfheit, wenn sie mit jener Lehrkraft direkt oder indirekt zu tun hatte. Ein Gefühl, daß sie einfach auch zu mehr Distanz zwang. Sie hätte sehr schnell, wann immer es möglich war, die Nähe zu jenem Herrn gemieden. Auch der Chef der Schule hätte ihr einmal in einem vertraulichem Gespräch gesagt, der X (den Namen wollte sie -- trotz mehreren Nachfragens -- ihm nicht nennen, unter anderem mit dem Hinweis, daß es im Leben zu viele Zufälle gäbe und sie sich nicht in die Nesseln setzen wolle) sei doch überhaupt kein Mann, allein seine vekrampfte Körperhaltung und seine säuselnde Stimme wären doch mehr als seltsam. H.N.Dörfler wolle es nun kurz machen, da er sich an jede Einzelheit, die diese Elternbeiratsvorsitzende ihm erzählt hätte, ohnehin nicht mehr erinnern könne. Bei ihr hätten sich jedenfalls zunehmend Eltern und auch Schüler beschwert, daß der Lehrer X ein Verhältnis mit einer Schülerin hätte. Er würde mit ihr mit seinem Wohnmobil in der näheren Umgebung regelmäßig Geschlechtsverkehr haben. Drei Schüler hätten die beiden an einem etwas verborgenen See sogar einmal entdeckt, wären an das Auto herangeschlichen und hätten die eindeutigen Geräusche gehört, diese dann auch mit dem Handy aufgenommen und ihr vorgespielt. H.N. Dörfler habe sie dann gefragt, wie sei denn mit jener Information umgegagen wäre. Es sei nicht eine Information gewesen, sondern eine Häufung von Informationen von mehreren Seiten. Da die Schulleitung nichts unternehmen wollte, dies mit der Begründung, die Beweislage sei da nicht ausreichend, habe sie den Herrn X direkt angesprochen und ihm deutlich gemacht, daß er dieses Verhältnis umgehend beenden müsse, andernfalls erstatte sie Anzeige. Herr X habe allerdings alles bestritten und als sie ihm die vorhandene Bweismittel -- mittlerweile auch mehrere Photos, die zumindest die häufigen Treffen, nicht unbeding den Ablauf jener aufzeigten -- zeigte, sei er bleich geworden und schweigend davon geschlichen. Kurz danach habe er sein Wohnmobil verkauft und die Schülerin sei danach mit einem anderen, ihrem Alter gemäßen Freund gegangen und sehr schnell schwanger geworden. Eine andere Mutter habe ihr erzählt, daß angeblich auch die Frau von X auf den Verkauf des Poppenmobils (so die Elternbeiratsvorsitzende tatsächlich!) gedrängt hätte. H.N.Dörfler unterstrich nochmals, daß man ihm beide seiner Geschichten durchaus glauben könne, daß er sei zumindest so erlebt habe und daß sie sicherlich des Nachdenkens und Überdenkens wert seien
Ein viertes Szenario
H.N. Dörfler berichtete, ihm hätte einmal jemand erzählt, daß eine Mutter während einer Sprechstunde, wie sie an Schulen zwecks Zusammenarbeit mit den Eltern üblich seien, geplaudert hätte, ihr Sohn, fünfzehn Jahre alt, hätte im Sport ein dreizehnjähriges Mädchen kennengelernt gehabt, jene hätte aber bald wieder mit ihm Schluß gemacht, weil er mit ihr nicht schlafen wollte. Die Mutter meinte, ihr Sohn hätte ihr gesagt, er hätte einfach Furcht vor dem Geschlechtsverkehr gehabt, auch davor, daß er es nicht bringen könnte, daß er vorzeitig ejakulieren würde. Die Mutter hätte jener Lehrkraft nach dem Gespräch per E-Mail noch ein Photo von jenem Mädchen geschickt. H.N.Dörfler hätte das Bild selbst auch gesehen, sogar die dazugehörige Mail der Mutter gelesen. Das Mädchen wäre sehr hübsch gewesen, hätte sich in sexy Kleidung gestylt, und wäre für ihr Alter körperlich gewiß schon weit entwickelt erschienen.
Die Leute glaubten H.N.Dörflers Bericht nicht, sagten ihm auch, sie nähmen ihm das alles nicht ab, so könne und dürfte eine Mutter niemals handeln, er könne das doch nur erfunden haben und selbst als erfundene Geschichte sei es keine große kreative Leistung, nicht einmal auf dem Niveau eines Groschenromanciers. Allenfalls billigste und primitivste Unterhaltung. Einfach platt.
H.N.Dörfler erwiderte, man könne ihm ruhig glauben, er wisse schließlich was er gehört und vor allem gesehen habe. Der Lehrer hätte ihm übrigens noch mehr Mails jener Mutter gezeigt und die hätten in Teilen genau das unterstrichen, was bezüglich der Sexualflucht des Jungen (so Dörfler!) durch die Indiskretion jener Mutter ans Tageslicht gekommen sei. H.N.Dörfler wiederholte dies noch zweimal, meinte abschließend sie sollen doch glauben und denken was sie wollen, ihm sei das ohnehin gleichgültig, sie würden doch nur der Devise, daß nichts sein kann, was nicht sein darf huldigen -- und schlich -- dennoch:beleidigt wirkend -- von dannen.
Ein fünftes Szenario
Da Schule auch immer mit der Hinführung zur Berufswelt und zur späteren Auseinandersetzung mit ihr zu tun hat, sei diese Geschichte von H.N. Dörfler auch hier kundgetan.
Hans Nepomuk Dörfler erzählt Seltsames. Er habe von einem Krankheitsfall in der Nähe des Donaulaufes gehört. Und dabei hätten sich weitere unvorstellbare Dummheitsdimensionen aufgetan. Ein Konditor sei schwer erkrankt. Beim Arztbesuch stellte sich heraus, daß jener Bäckereiangestellte Noroviren hatte. Der Arzt verbot ihm, seiner Arbeit bis zur völligen Gesundung nachzugehen. Zunächst befolgte der Kranke die ärzliche Anweisung. Jedoch ging er vorzeitig wieder arbeiten. Vorzeitig bedeutete, daß er weder den Ablauf der Krankschreibung beachtete noch daß er vor der Arbeitsaufnahme den Arzt konsultierte, um beispielsweise eine Überprüfung des Krankheitsverlaufes bzw. der Gesundung durch den Arzt feststellen zu lassen. Immerhin arbeite jener Bäckereiangestellte in der Lebensmittelbranche und Noroviren seien hochansteckend und können zudem bei entsprechend anfälligen Personen auch zum Tode führen, so die Erläuterung von H.N.Dörfler, als er mir dies alles erzählte.
Wie sei es nun weitergegangen? wollte ich wissen. Dörfler lachte. Es kommt schon noch schlimmer, da bräuchte ich mir keine Zweifel auferlegen. Zunächst bleiben wir einmal bei dem Krankenstand, meinte er. Jener Bäckergeselle kam also vorzeitig wieder auf seine Arbeitsstelle. Die Chefin meinte nur, ob Noroviren so etwas wie Salmonellen wären und dies hätten ihre Kinder letztes Jahr auch gehabt und sie wären da nicht ins Bett gegangen, hätten sich nicht krankschreiben lassen, so schlimm wäre das ja wirklich nicht, könne es auch nicht sein. Zudem würde bei ihnen ja ohnehin alles gebacken und dadurch alle Viren vernichtet. H.N. Dörfler meinte, jene Frau müsse mehr als saudumm (so Dörfler wörtlich!) sein und der wäre wohl mit nichts zu helfen. Aber es käme noch schlimmer, was jenen Backbetrieb angehe, und bei diesem Satz grinste Dörfler breit über sein Gesicht. Zu Recht sei der Norenvirenbefallene verärgert gewesen, da komme er vorzeitig wieder zur Arbeit und müsse sich dann noch blöde anreden lassen, so dessen Klage. Aber er beließ es nicht bei diesem kurzen Kommentar. In seiner Backstube wäre schon vor Monaten Rattenbefall festgestellt worden, jeglicher Hinweis an die Geschäftsinhaber sowie die Aufforderung, dagegen etwas zu unternehmen blieb jedoch erfolglos, es sei nichts gegen die Rattenbesuche getan worden. Als jedoch in einer zweiten Backstube, in der ein Sohn der Firmeninahber seine Tätigkeit zu verrichten hatte, Ratten auftauchten, wurde man dann doch endlich noch tätig. Übrigens habe sich in einem Filialgeschäft eine Ratte mitten unter die Kunden gemischt, spazierte zwischen deren Beinen herum. Was die Ratte denn kaufen wollte, warf Dörfler ein. Diese Bemerkung fand der Bäcker dann jedoch gar nicht lustig und ließ H.N. Dörfler mit seinem Bier alleine, stand auf, nahm sein halbvolles Glas,setzte sich an einen anderen Tisch.
... demnächst (2024 / 25) geht es dann weiter mit ...
Ein sechstes Szenario
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