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Anmerkungen zu Corona
(unter dem Blickwinkel auf das Schulwesen)
Die Auswirkungen der Pandemie, verursacht durch Covid-19, betreffen längst alle gesellschaftlichen und persönlichen Bereiche. Besonders belastet ist davon auch das Schulwesen. Die bislang übliche Art der schulischen Alltagsgestaltung hat sich -- leider! -- grundlegend verändert. Sowohl für die Schüler und Lehrkräfte stellen sich neue Anforderungen sowie Belastungen, wie sie zuvor in dieser Form nie zu spüren, ja, auch nie gefordert waren. Während ich dies hier schreibe (Mitte bis Ende Januar 2021), erleben Schulen sogar zum zweiten Mal einen kompletten "Lockdown", d.h. der Zutritt zu den Schulen ist den Schülern nicht mehr gestattet, ihre Unterrichtung findet über den sogenannten "Distanzunterricht" statt. In erster Linie sind da Formen der Video-Unterrichtung gefragt. Die Kontakte zwischen Unterrichtenden und Lernenden erfolgt über das Web. Es gibt mindestens zwei wesentliche Gründe, weshalb diese Form der Unterrichtung und der Kontaktaufnahme mit großen Schwierigkeiten verbunden ist: erstens mangelt es an entsprechend qualitativen und entsprechend leistungsfähigen Verbindungen über das Internet (auch zeigen Softwarelösungen wie z.B. "Teams" *) und "Mebis" **) immer wieder Probleme bei Versuchen einer zügigen, kontinuierlichen Unterrichtung sowie im ungestörten Zugang, häufig ist ein Einloggen wegen des Ansturms dann überhaupt nicht möglich, eine entsprechende Unterrichtung kann dann überhaupt nicht erfolgen.) und zweitens hat man an den Schulen in der Vergangenheit es versäumt, derartige Online-Lerntechniken zu lehren und einzuüben.
Auch hat man die wirklichen Möglichkeiten und Grenzen möglicher einzubindender Plattformen offensichtlich wohl falsch eingeschätzt. Warum eigentlich? Hätte man nicht wissen müssen, daß ein immenser Ansturm auf die Nutzung zu einem Unterrichtsbeginn um 8 Uhr (o.a.) zu einem Zusammenbruch des Systems führen kann?! Dann kundzutun, man solle eben das System nicht durch allzu große Inanspruchnahme überlasten und so die Ineffektivität verursachen, stellt m.E. eher eine Bankrotterklärung dar, wenn man sonst stets die Öffentlichkeit mit den Möglichkeiten des "Home-Schooling" (oder wie immer auch die euphemisierenden Begriffe für den Ersatz des derzeit nicht möglichen Präsenzunterrichts auch lauten mögen ...) zu beruhigen, zu trösten versucht. Es ist immer falsch, Anspruchs- / Erwartungshaltungen zu erzeugen, wenn die notwendigen Bedingungen der Möglichkeiten dazu nicht einmal gesichert sind. Distanzunterricht erfordert eben nun mal die Schaffung elementarer Voraussetzungen, soll er wenigstens einigermaßen effektiv durchgeführt werden können. Eine dieser notwendigen Bedingungen ist die Schaffung funktionierender technischer Voraussetzungen!
*) Microsoft Teams ist eine von Microsoft entwickelte Plattform, die Chat, Besprechungen, Notizen und Anhänge kombiniert. Der Dienst ist in die Microsoft 365-Suite mit Microsoft Office und Skype/Skype for Business integriert.
**) Mebis ist ein Internetportal des bayerischen Kultusministeriums. Es hat 2014 die Pilotphase verlassen und steht neben den staatlichen bayerischen Schulen seit 2017 auch allen kommunalen und privaten Schulen in Bayern zur Verfügung.
Letzteres ist einmal dem Fakt geschuldet, daß diese Form des Unterrichts nie als eine zukünftig mögliche / notwendige Form antizipiert wurde und zum anderen der Tatsache, daß die dienende Funktion des Internets in dieser speziellen Form bislang im Unterrichtsgeschehen mehr oder weniger unbeachtet geblieben ist. Es war zwar immer "wichtig", das Internet als "die Zukunft!" hervorzuheben, man war mit entsprechenden euphemistischen Schlagwörtern schnell bei der Hand (z.B. der Schrei "Industrie 4.0" als Zukunft in unserer vorgeblichen Leistungsgesellschaft ...).
Daß man jemals wegen einer Pandemie zwangsläufig auf diese Form des Distanzunterrichts angewiesen sein würde, war freilich nicht unbedingt vorhersehbar. Daß jedoch Arbeitsweisen wie "Home-Office" (der Anglizismus hat im Angelsächsischen nicht dieses Äquivalent; Home Office bedeutet da originär vielmehr Innenministerium.) in einer als IT-Gesellschaft proklamierten Zukunftsvision (für immer mehr längst auch schon Gegenwart!) einer Gesellschaft sinnvollerweise Bedeutung erlangen wird, hätte man durchaus auch im Schulwesen sehen können. Eine solche Antizipation hätte allerdings ein Transzendieren des üblichen Informatikunterrichts erfordert, eben auch den Umgang mit entsprechenden Plattformen, die ein Arbeiten von Zuhause aus, den Kontakt über Videokonferenzen, etc. erst ermögliche. Um diese Weitsicht zu entwicklen hätte es keineswegs des Gedankens einer Pandemie (der damals ohnehin als eine Art Hysterie abgetan worden wäre ...) bedurft, es hätte genügt, sich die selbstdefinierten Zukunftsvorstellung zukünftiger Arbeitsweisen und Gesellschaftsstrukturen zu Eigen zu machen. Das ist aber so nicht geschehen -- zumindest nicht auf der notwendigen breiten Ebene --, sodaß wir nun vor all den Schwierigkeiten stehen, die uns auch hinsichtlich individueller Lehr- und Lernbiographie das Leben schwerer machen.
Mich wundert es überhaupt nicht, daß nun besonders auch jene nach dem Präsenzunterricht rufen, die diesen nicht immer gerade mit Lobeshymnen überschüttet haben ... Bei diesem Vorwurf geht es mir nicht um die Diskussion über die Art, wie man Präsenzunterricht optimieren kann, die sind natürlich notwendig, unverzichtbar. Nein, es geht um jene, die am schulischen Arbeiten, an der Gestaltung des schulischen Alltags immer wieder herumnörgelten, besonders dann, wenn es darum ging, das eigentliche eigene Versagen zu kaschieren.
Jetzt plötzlich entdecken alle den Vorteil von Präsenzphasen, die Wichtigkeit der Begegnung von Lehrerpersönlichkeit und Schülern, die Notwendigkeit eines entsprechenden (konstruktiven!) Austauschs, die Unverzichtbarkeit von unmittelbarer Interaktion zwischen den Schülern und den Lehrkräften.
Man könnte hier vielleicht hoffnungsvoll dieses "better late than never" sagen, aber das hieße ja auch, die Hoffnung zu hegen, daß sich die Wertschätzung der Lehrerleistungen gesellschaftsweit wieder mehr in eine positive Richtung verändert, daß sich die Erziehungsberechtigten wieder mehr ihrer eigenen Verantwortung und den damit verbundenen Pflichten stellen und daß Verwaltung wie auch Politik endlich einmal begreifen, daß in der Gestaltung für das Schulwesen kein Raum für hektischen Aktionismus, für Vordergründigkeit und Oberflächlickkeit, aber auch schon gar kein Platz für Opportunismus (z.B. das Schielen nach Wählerstimmen ...) sein darf!
Es stellt sich also in diesen Zusammenhängen auch die Frage, ob man aus den Einschränkungen durch Corona für die Gestaltung schulischen Arbeitens in der hoffentlich bald kommenden "Nach-Corona-Zeit" etwas lernt / gelernt hat, ob man aus Erfahrung nun endlich klug (oder zumindest: klüger!) geworden ist, ob man bereit ist, endlich die Lehr- und Lernkonsequenzen zu ziehen, die eine Leistungsgesellschaft (mit dem einzigen Rohstoff, den wir hierzulande haben: nämlich Bildung!) als conditio sine qua non verlangen muß.
Sind alle involvierten Kräfte (Politik, Erziehungsberechtigte, Administration, Wirtschaft und Handel sowie Dienstleistungssektor, Lehrkräfte, u.a.) nun endlich (wieder) bereit, dem Leistungsgedanken die Priorität zukommen zu lassen, der für unsere zukünftige Gesellschaft besonders relevant sein dürfte und für das Erbringen jener Leistungen, also für die entsprechenden hochqualitativen Abschlüsse, sowohl die prozessualen als auch effektiven jeweils unverzichtbaren Überprüfungsformen (mündliche Noten, schriftliche Noten, Abschlußprüfungen vor allem!) durchzusetzen?! Dieses bedeutet vor allem auch: mehr Entscheidungsbefugnisse an die Schulen und das unmittelbar mit dem Geschehen befasste Personal zurückzugeben, die Prüfungsanforderungen wieder dem der tatsächlichen Entwicklung in Wirtschaft, Industrie und Handel unterworfenen Leistungsprinzip anzugleichen. Auch das Prinzip der Durchlässigkeit an Schulen hat sich zukünftig wieder mehr am tatsächlichen, jeweils im Augenblick gezeigten Leistungsverhalten eines Schülers zu orientieren.
Es darf zukünftig auch nicht mehr sein, daß beispielsweise durch das derzeit vorherrschende Primat des Elternwillens eine Übertritts-Entscheidung gegen die Kompetenz des Lehrpersonals getroffen, dadurch ein Schüler auf einen falschen (ihn letztlich nur frustrierenden und seine Psyche deformierenden) Weg geschickt wird. Wunsch und Wirklichkeit sind wieder auf ein angemessenes Maß zurückzuführen. Es ist faktisch niemandem geholfen, wenn Schüler entgegen ihrem tatsächlichen Leistungsvermögen, eine falsche Schulllaufbahn beschreiten! Und um es klar zu sagen: grundsätzlich hat jeder Schüler im Laufe eines Schuljahres die Möglichkeit zu zeigen, wozu er fähig ist, wie es um seinen Lernwillen und um seine Leistungsbereitschaft steht. Und auf genau dieser Grundlage sollte dann auch über Vorrücken, Nichtvorrücken bzw. mögliche Übertritte entschieden werden. Das Institut der Nachprüfungen, des Vorrückens auf Probe, o.ä. gehören wieder abgeschafft, weil sie leistungsfeindlich sind, weil sie "Lernschlendrian" und das Gefühl, es werde ohnehin nichts so heiß gegessen wie gekocht oder gar jene Lässigkeit des "mir kann ohnehin keiner etwas anhaben" unterstützen. Gerade wer nicht leistungswillig ist (schließlich können Erziehungsberechtigte im Zuge des Kooperationsgebots mit der Schule da erheblich positiv resp. negativ einwirken ..., zudem impliziert "Erziehungsberechtigte" zugleich "Erziehungsverpflichtete"!), dem sind die Konsequenzen jeweils rechtzeitig darzulegen und sie dann aber auch im Falle der Notwendigkeit durchzuziehen. Wer faul ist, wer stört, wer schulische Anwesenheit nur als lästige Pflicht oder gar als eine Jux-Veranstaltung betrachtet und sich entsprechend auslebt, schadet nicht nur sich selbst (d.i. seinen zukünftigen Möglichkeiten als nützliches Mitglied der Gesellschaft), sondern auch all den anderen, weil jene durch Unterrichtstörungen und schlimmere sozialschädliche Verhaltensweisen in ihrem Lernprozeß beeinträchtigt werden. Dieser Gedanke beinhaltet natürlich einen weiteren Punkt: es muß an Schulen eine positive Disziplin (vgl. Buebs "Lob der Disziplin" u.a.) wieder selbstverständlich werden und durchsetzbar sein!
Ebenfalls gehört die starre Festlegung von Klassenuntergrenzen abgeschafft. Gerade die rapide Zunahme leistungsschwächerer (nicht hier gemeint: leistungsunwilligere) Schüler erfordert kleinere Klassen, damit eine entsprechende individuelle Förderung seitens Schule geleistet werden kann. Dies gilt aber auch in die andere Richtung: wenn beispielsweise die Untergrenze einer M-Klasse (soll dem Mittlere-Reife-Zug, vergleichbar mit Realschule o.ä.) rigide Zahl festgelegt wird, führt das, was Leistungsorientierung angeht, nicht selten zu unliebsamen Täuschungsmanövern; damit die Klasse an einer Schule überhaupt zustande kommt, ist eben eine Mindestzahl von Schülern mit den erfüllten formalen Vorgaben (z.B. Notendurchschnitt) vorgeschrieben, wird diese jedoch nicht erreicht, werden zur Erreichung der Mindestzahl dann eben noch Schüler in diese Klasse aufgenommen, die formal die Voraussetzungen nicht erfüllt haben. Das Ergebnis wird sozusagen "frisiert". Statistisch ist dann alles in Ordnung (also die "Außendarstellung"), jedoch die "Qualität" stimmt in dieser Klasse dann nicht, dies dann häufig mit der Folge, daß Störungen (auf Kosten der lernwilligen und leistungsfähigen Schüler) überhand nehmen, frustrierte Eltern der in dieser Klasse "Versagenden" die Lehrkräfte für das mangelnde Leistungsvermögen ihrer eigenen Kinder verantwortlich machen, etc. All diese Unliebsamkeiten ließen sich problemlos vermeiden: den Schulen in der Gestaltung ihrer Klassenzusammensetzung mehr Spielraum einräumen, die Allokation von Lehrkräften entsprechend optimieren ... Natürlich macht das "Schule" teurer, Bildung kostet eben Geld, aber gute (!!!) Bildung des Einzelnen zahlt sich später für die Gesamtgesellschaft einmal aus.
(Es möge wieder gelten: "Gute" Bildung muß ihre Entsprechung in den Zeugnissen haben, die seit Jahren zu konstatierende hohe Zunahme "guter" Noten, vor allem auch in Abiturzeugnissen, weist eher in das Gegenteil: die Anforderungen wurden gesenkt, damit die Statistik nach außen ein positives Bild vermitteln soll; dagegen spricht die enorme Zunahme Studierunfähiger mit Abitur, die Zunahme ausbildungsunfähiger Menschen, die Industrie, Handel und Wirtschaft seit Jahren beklagen ... Ergo: Zeugnisse müssen wieder aussagefähiger werden, sie müssen die tatsächliche Qualifikation eines Menschen verdeutlichen, sie müssen dann aber auch in Wort und Ziffern wieder realitätsbezogen formuliert werden!)
Nochmals also die Frage: Wird man aus den Corona-Erlebnissen für die Gestaltung von schulischer Arbeit und schulischem Lernen nun konstruktive Schlüsse ziehen, dies nicht nur mit Blick auf Lernen mittels / über Medien, sondern auch hinsichtlich einer Re-Organisation durchzuführender Lehr- / Lernprozesse sowie stringenter Ausrichtung am Leistungsgedanken? Eine Glaskugel zum Beantworten dieser Frage habe ich nicht, freilich kann man aus bisherigen Erfahrungen und vorhandenen Tendenzen wie auch im Wissen um die Macht unterschiedlicher Einflußfaktoren durchaus eher pessimistisch sein ...
Bereits im Frühjahr 2020 gab es den Zwang, wegen (partieller) Schullschließungen diesen Fernunterricht ("Distanzunterricht") durchzuführen. Das war schon aufgrund fehlenden Knowhows und zumeist unzulänglicher Ausstattung in den allermeisten Fällen nicht besonders von hinreichendem Erfolg gekrönt. Da war in der Vergangenheit viel zu wenig prospektiv gedacht, geschweige denn gehandelt worden. Aber wenigstens seit den Erfahrungen durch den ersten Lockdown hätte man schon einige Zeit gehabt, hier zielführende Vorbereitungen zu treffen und für die Zukunft vorzusorgen, Versäumnisse wenigstens zum großen Teil zu beheben. Diese Überlegung betrifft auch die technischen Voraussetzungen. Aber das ist längst nicht alles in dieser Misere: so gibt es auch keine Routinen in der Didaktik, auch sind wir in der Ausstattung und digitalen Kompetenz gegenüber anderen Ländern weit zurück.
Wie schon gesagt, es gab offensichtlich auf verantwortlicher Seite keine dringende Not (wie sie beispielsweise nun durch Corona hervorgerufen wurde), Alternativen zum herkömmlichen Lehr- und Lernverfahren auf Präsenzbasis zu implementieren. Eine Idee an "Home-Schooling" / Fernunterricht und ähnliche auf der umfassenden Anwendung moderner Medien basierender Verfahren war leider bei all den für das Schulwesen Verantwortlichen nie zu erkennen. Aber: man hätte diese Idee allein schon aus dem gebetsmühlenhaften Propagieren einer Zukunft mit IT, mit digitaler Vernetzung, mit der Etablierung neuer Technologien, etc. ableiten, antizipieren können, ja: müssen, und entsprechend die dafür notwendigen Grundlagen im Bildungsprozeß anbahnen können. Das ist jedoch weitgehend unterlassen worden. Deshalb steht man jetzt, bildlich gesprochen, mehr oder weniger wie der Ochs vor dem Berg und reibt sich verwundert die Augen ...
Ist / War da nicht doch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber "Technik" im Bildungswesen denk- und handlungsleitend? Fehlt es vielleicht an Dynamik im Bildungswesen? Sind all die Versuche, dem eigentlich den Bundesländern obliegenden Bildungswesen wenigstens eine gewisse Art von Einheitlichkeit (z.B. wegen des Grundrechts auf Freizügigkeit innerhalb Deutschlands) zu verpassen, für die bestenfalls halbherzige Technik-Erziehung mitverantwortlich? Ist man blind gegenüber modernen Herausforderungen und Möglichkeiten? Glaubt man immer noch, wohlfeile Aussagen genügen und verlangen nicht ihre Konkretisierung in der Alltagspraxis, dies vor allem auf der Grundlage der Schaffung notwendiger Voraussetzungen?
Die Antwort auf all diese (sicherlich nicht der Vollständigkeit genügenden) Fragen ändert zwar nichts am Ist-Zustand, könnte jedoch Lösungswege zur Schaffung der Bedingung von Möglichkeiten eines diesbezüglich effektiveren Bildunssystems leisten. Der Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden ist -- ungeachtet der Unterrichtsform (hier: Präsenzunterricht versus Fernunterricht) -- unverzichtbar, ohne diesen wird es keinen optimalen Lernprozeß geben können. Allerdings muß der Kontakt schon so intensiv zu gestalten sein, daß auch eine zeitliche Unmittelbarkeit erzielbar ist. Es macht wenig Sinn, da nur einen wie auch immer gearteten sporadischen Austausch zu pflegen, Stringenz ist hier wichtig! Unklarheiten, Fragen, Vorschläge, etc. müssen zeitnah, am besten ad hoc abzuarbeiten sein. Materialangebote und Rückmeldungen sollten schon relativ unverzüglich zu leisten sein. Wer hier nur mit Telefon oder E-Mail arbeiten kann, der dürfte keinen effektiven Lernprozeß durchführen können. Insofern sehe ich zum Präsenzunterricht keine adäquate Alternative, Fernunterricht (selbst unter optimalen technischen Bedingungen!) kann leider immer nur die zweite Wahl sein. Aber -- wie Corona zeigt -- die einzig mögliche Alternative zu einem unbedingt, geforderten Lernprozeß (der auch bei Schulschließungen zu ermöglichen ist)! Insofern muß diese Verfahrensweise beherrscht werden, insoweit müssen natürlich auch die dafür notwendigen technischen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden. Wenn hier jemand mit Blick auf den Präsenzunterricht äußert "Der Präsenzunterricht werde verherrlicht" (wie etwa Michael Kerres, Leiter des "Learning Lab" an der Universiät Duisburg-Essen, vgl. DER SPIEGEL Nr. 47 vom 14.11.2020, S.107) dann sehe ich das aber auch als eine einseitige (womöglich ideologisch geprägte) Sichtweise; die Vorstellung, im Lernen (das schließlich eine bedeutende soziale Komponente neben dem Erwerb von Wissen und Umgang mit den verschiedenen Technologien und Lerntechniken beinhaltet!) auf die unmittelbare Begegnung, auf den persönlichen Austausch, verzichten zu können, ist absurd. Lernen ist vor allem immer auch gesellschaftliches Lernen, das Einüben von Interaktionen verschiedenster Art. Fernunterricht und damit verbundene technologische Kompetenzen können bestenfalls eine ergänzende, eine dienende Funktion im Lerngeschehen haben. Notwendig, unverzichtbar als Substitut, werden jene Lerntechnologien freilich in Notsituationen, wie sie uns die Corona-Pandemie mit den aus ihr zu ziehenden jeweiligen Konsequenzen (z.B. die Notwendigkeit des Schließens von Schulen, somit die Verhinderung von Präsenzunterricht) aufgezwungen hab. (Jenen, die jetzt nun aus meinen Darbietungen schließen, ich vertrete eine technikfeindliche Lern-Position, sei gesagt, daß ich bislang einige Fernstudien genau mit Unterstützung jener Lerntechniken absolviert habe, davon jedoch die meisten durch entsprechende Präsenzphasen abgesichert.)
Ich fasse einige meiner Überlegungen zusammen:
1. Unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung weist schon seit geraumer Zeit auf die Notwendigkeit umfassender IT-Bildung hin; dem wurde Schule bislang nicht gerecht.
2. Das Arbeiten daheim wird zukünftig (hoffentlich, Gründe dafür gibt es viele, nicht nur ökonomischer sondern auch ökologischer Art!) zunehmend einen größeren Stellenwert einnehmen.
3. Das was hierzulande als "Home-Office" bezeichnet wird, ist, was technische Voraussetzungen, Plattformen und jeweils spezifische Softwareanwendung angeht, dem "Home-Schooling" vergleichbar.
4. Aus den Sätzen 2 und 3 folgt, daß auch ohne die Folgen einer Pandemie (oder ähnlichen Katastrophen) umfassend der Umgang mit jenen Mitteln gründlich zu lernen und einzuüben ist.
5. Schulische Lehr- und Lernprozesse müssen wieder viel stärker auf Leistung ausgerichtet werden, die Entwicklung zu Eigeninitiative und Eigenverantwortung ist zu fördern und einzufordern.
6. Den Schulen muß wieder mehr Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum eingeräumt werden, Leitlinie hierfür ergeben sich aus formulierten Bildungszielen, wozu auch der Umgang mit IT gehört.
7. Die IT-Unterrichtung und der Umgang mit unterstützenden Sourcen (Geräte, Software, Internet, etc.) bedarf auch einer kritischen Komponente, damit Schüler diesbezüglich Verantwortung lernen.
5. Die Entscheidungsbefugnisse der Schulen im Kontext von Lernprozessen muß wieder mehr Priorität erhalten: das betrifft neben Leistungsbewertung vor allem auch Schullaufbahnentscheidungen.
6. Schularbeit muß wieder in Ruhe, mit Gelassenheit, voll Vertrauen, mit konstruktiven Gesprächen, also in einem gesunden Lernklima erfolgen. Sie bedarf vor allem: gesellschaftlicher Anerkennung.
7. "Elternwille" sollte als Schlagwort nicht primär als Entscheidungsbefugnis für Laufbahnentscheidungen definiert werden, sondern als Pflicht zur Erziehung und Unterstützung schulischer Arbeit.
8. Unruhe und Aktionismen sind das, was effektive Schularbeit am wenigsten vertragen kann. IT-basiertes Lernen hat eine den üblichen Lernprozeß ergänzende Funktion, ist jedoch kein Fetisch ...
Wer nun hoffen sollte, nach Corona werde man motivierter die momentan zwangsläufig institutionalisierten digitalen Lerntechniken aufgreifen und gebotenermaßen intensivieren, ausweiten, einüben, sollte sich da nicht allzu sicher sein. Die Vergangenheit hat wiederholt gelehrt, daß Dinge, welche als notwendig formuliert wurden (vor allem in Sonntagsreden, auf Tagungen, auf Fortbildungsveranstaltungen), sehr schnell wieder in Vergessenheit geraten sind, wenn es dann um die konkrete Umsetzung gegangen wäre.
Statt dann den Notwendigkeiten zu folgen (oft teuer, personalintensiv, häufig auch antizipierter Ärger mit jeweiligem Klientel unterschiedlichster Interessenlagen), hat man sich dann nicht selten auf Felder begeben, die sich -- allerdings nur bei oberflächlichen Betrachtungen! -- als "wichtig", als "Innovation" (man denke nur an das Gezeter um Leselernverfahren, um Mengenlehre, um Inklusion, um Integration, um Durchlässigkeit, um Differenzierungsmaßnahmen, etc.!), als "unverzichtbar" von entsprechenden Interessengruppen an die Öffentlichkeit verkaufen ließen. Es wurde häufig in die Schulen durch sogenannte Fortschritteritis mehr Unruhe hineingetragen als auch nur ein Quäntchen an Sinn gestiftet. Die Folge davon: schulische Arbeit wurde eher erschwert, den Lernprozessen hat es nichts geholfen, im Gegenteil, häufig wurden sie unmöglich gemacht, wenn immer wieder "eine neue Sau durchs Dorf getrieben" wurde.
Corona hat sicherlich auch eines deutlich gezeigt: der Distanzunterricht dürfte viele Schüler enorm belasten und nicht wenige auch überfordern (eben auch, weil sie nicht beizeiten mit dieser Form der Lerngestaltung konfrontiert wurden, weil die damit verbundenen Lernbedingungen sehr unterschiedlich sein dürften, weil weitere Unterstützungsmöglichkeiten gänzlich fehlen bzw. sehr unzureichend sind). Aber wie wird es in diesem Zusammenhang wohl auch um zahlreiche Eltern bestellt sein? Viele dürften zeitlich, nicht wenige auch: inhaltlich, außerstande sein, hier ihren Kindern große Hilfe leisten zu können. Und die psychische Belastungen (neben der physischen) über einen so langen Zeitraum darf nicht unerwähnt bleiben!
Aber -- um dem vielleicht doch auch etwas Positives abzugewinnen, was das Verhältnis Erziehungsberechtigte-Schule angeht -- mag ja sein, daß doch einige der Erziehungsberechtigten nun einmal einsehen und anerkennen, wie anspruchsvoll und wie wertvoll die Arbeit einer Lehrkraft ist. Gut, manche Eltern wissen dies sehr wohl schon längst und erkennen es auch immer wieder an. Aber da ist ja noch eine ganz andere Gruppierung: Bei jenen dürfte die von mir eben ausgesprochene Hoffnung eher ein Wunschdenken sein, denn dort finden wir dann jene, wo genau die gegenteilige Entwicklung abläuft -- es wird noch mehr die Schuld für Probleme und Versagen, für Unzulänglichkeit und einfach sehr schwierige Rahmenbedingungen bei den Lehrkräften gesucht (und subjektiv auch: gefunden!), der eigene Frust dann dort entsprechend "abgeladen", auf die Schule und ihre Repräsentanten abgewälzt. In diesem Fall wünsche ich den davon betroffenen Lehrkräften dann vor allem eines: viel, sehr viel Resilienz! Und die Kraft, an den entsprechenden Stellen (hierzu gehören zusätzlich natürlich auch Verwaltung und Politik!) die Dinge deutlich beim richtigen Namen zu nennen ...
Oft liegen die Probleme nämlich auch daran, daß etwas überhaupt nicht, wie eigentlich gewünscht, durchführbar, leistbar, ist. So wird auch das, was grundsätzlich gut und sinnvoll ist, zum Beispiel "Integration", zwar als Monstranz öffentlichkeitswirksam vor sich hergetragen (meistens von denen, die arbeits- und belastungsmäßig von den geforderten Maßnahmen unbehelligt blieben / bleiben!), aber für eine produktive und adäquate Umsetzung einer solchen Maßnahme, werden dann nicht die dafür unbedingt notwendigen sächlichen und personellen Mittel zur Verfügung gestellt. Und weil, und wenn, das so ist, darf man sich nicht wundern, daß ein Scheitern garantiert ist. Um beim Beispiel zu bleiben: zum Leidwesen der konkret betroffenen Schüler (z.B. Förderschüler, die eigentlich an Förderschulen gezielt und ihrem jeweiligen Bedürfnis gemäß unterstützt werden könnten, an Mittelschulen verwiesen -- häufig: "Elternwille!" --, wo sie dann kläglich scheitern und permanent Frustrationserlebnissen ausgesetzt sind). Aber ähnlich verhält es sich mit dem durch Corona bedingten Fernunterricht: optimal im Vergleich mit Präsenzunterricht kann ein solcher ohnehin nicht sein, aber er könnte effektiver sein, würden dafür überhaupt erst einmal all die Voraussetzungen optimiert (wozu natürlich auch ein entsprechend qualitativer Internetanschluß zusätzlich gehört!).
Ich habe bisweilen den Eindruck, daß so manche "Maßnahme" von oben den Schulen letztlich aufgezwungen wird, um das institutionalisierte Dasein eines Verwaltungspostens, aber auch einer "Fortbildungstätigkeit" zu legitimieren. Es wäre aus meiner Sicht zielführender, würde man jeweils an der konkreten Wirklichkeit arbeiten und weniger aus einem Efeuturm-Denken heraus belehren zu wollen. Besonders "Corona" mit der resultierenden Notwendigkeit des "Home-Schooling" dürfte -- so man es denn wahrnehmen möchte -- zeigen, wie so manches Integrationsvorhaben aus vielerlei Gründen scheitern muß, und zwar aus Gründen, die man eben leider nicht mit Wunschdenken beseitigen kann. Es gibt eben Zustände, an denen ändert jedes noch so große Engagement der für die Behebung des Mangels als zuständig erklärten Lehrkräfte leider nichts oder bestenfalls nur zu wenig. Hier wäre es schon sinnvoll, Allokationen zu wählen, die einem Menschen eher gerecht werden, seine Entwicklung auf der Basis tatsächlich vorhandener Voraussetzungen fördern. Aber leider ist in unserer Gesellschaft die Attribuierung jeweiliger Schularten in vielen Kreisen immer noch so negativ, daß sie ihr eigenes Kind dort auf keinen Fall sehen möchten, dies in der trügerischen (und für das Kind schädlichen!) Hoffnung, durch die Wechsel der Schulart allein sei schon jegliches (Gefühls-/Selbstbewußseins)-Dilemma gelöst ...
Wir alle hoffen (und wenigstens da dürfte uneingeschränkte Einigkeit bestehen), daß Corona möglichst schnell vorbei sein wird. Vor allem hoffe ich, daß es wieder zurück zum Präsenzunterricht an den dann wie eh und je geöffneten Schulen gehen wird. Dabei sollte man jedoch eine Lehre aus der Krise im Bewußtsein behalten: das digitale Lernen sollte den entsprechenden Stellenwert behalten, die dafür notwendigen Kompetenzen sind auszuweiten und zu sichern. Dies bedeutet keineswegs, IT nun als eine Art heilige Kuh zu sehen, gar auf Kosten der bislang "klassischen" Lerninhalte. Nein, IT soll den gebührenden (nicht mehr!) Platz er- und behalten: als Werkzeug zur Bewältigung bestimmter Aufgaben. Dies nicht mit Blick auf -- dies möge uns erspart bleiben! -- eine eventuell erneute Pandemie und erneuten Home-Schooling als Folge, sondern mit dem Wissen um zukünftige Bewältigung möglicher Arbeitsabläufe. Es wird zunehmend mehr Arbeitsbereiche geben, die man von zu Hause aus abdecken kann. Dies wird dann Zeit sparen (= Wegfall von Fahrten), auch weitere betriebliche Optimierung von Organisation ermöglichen. Weitere Vorteile sind denkbar. Der damit verbundene Nachteil sozialer "Isolation" (viele Schüler dürften dieses Manko ja beim "Home-Schooling" erlebt haben!) läßt sich durch strukturelle Maßnahmen auffangen (z.B. zwei Tage daheim, drei Tage im Betrieb).
Nochmals (deshalb auch weiter oben meine Forderung nach kritischem Umgang mit diesen Medien!): Digitales Arbeiten hat ausschließlich dienende Funktion, orientiert sich an einem jeweils zu legitimierenden Zweck (so wie man einen Hammer eben meist nur zum Einschlagen eines Nagels benützt, ansonsten mit dem Werkzeug nichts am Hut hat ...), es darf schon gar nicht zu einer Art Fetisch werden, vor allem nicht für soziale Unarten oder asoziales Wirken mißbraucht werden. Lehren und Lernen wird sich natürlich weiterentwickeln müssen, dies aber bitte dann unter ernsthaftem Einbezug der Möglichkeiten, also bei intensivem Bemühen, Wirklichkeit so zu erfassen, wie sie ist und nicht, wie man sie denn gerne hätte. Letzteres kann nur -- erneut: stets zu legitimieren! -- dann Ziel sein und bleiben, wenn man bereit ist, die Bedingungen der Möglichkeiten zum Erreichen dieses Ziels zu untersuchen und daraus dann die praktischen Konsequenzen ziehen möchte. Kann, will man es nicht, muß man es eben sein lassen ... (Manchmal ist ja auch Nichtstun ein Fortschritt!) Man sollte nie vergessen: Gut gedacht ist noch lange nicht gut gemacht.
Was also Corona hinsichtlich Schulwesen sicherlich bewirkt hat: es ist wieder in den Fokus gesellschaftlicher Problemfelder geraten, es wurden Defizite aufgezeigt (auch welche, die nicht unmittelbar mit Methoden der Unterrichtung zu tun haben!), die hoffentlich nun mehr kritische Beachtung finden werden, zugleich aber auch Möglichkeiten der Erweiterung / Ergänzung von Lehr- und Lernmöglichkeiten eröffnet. Diese Wege gilt es nun zielführend zu verfolgen -- vor allem auch im Sinne einer Optimierung der Betreuung unterschiedlicher Lerntypen.
Abschließend sozusagen als besondere Variante eines Bonmot noch ein Gedanke, der sich mir anläßlich eines Gesprächs mit einem Bekannten erneut aufdrängte. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo hatte kurz vor Weihnachten (2020), als wegen der Vorverlegung des Ferientermins um 2 Tage etwas Empörung in der Öffentlichkeit aufkam (Motto etwa: den Schülern werde Unterrichtszeit gestohlen, wo doch ohnehin wegen Corona alles drunter und drüber gehe), sinngemäß folgene Äußerung getan: die Schüler würden das nicht als unterrichtsfreie Zeit nehmen, sondern sich darüber freuen, daß sie dann in der Schule Versäumtes in jenen 2 Tagen aufarbeiten können, sie würden die beiden Tagen keinesfalls als geschenkte Freizeit nehmen und gestalten. Zugegeben, spontan dachte ich mir zunächst, wie kann ein Mensch nur so weltfremd sein, anzunehmen Schüler in toto (sicherlich dürfte es da Ausnahmen geben, die halte ich allerdings für überschaubar -- letztlich habe ich auf diesem Gebiet sehr viel Erfahrungen im Laufe meines Lebens sammeln können ...) würden diese 2 zusätzlichen Ferientage freudvoll, engagiert als Lerngelegenheit sehen und nützen. So sind Schüler (nochmals: in der Mehrheit) gewiß nicht. (Das ist kein Vorwurf, ich selbst und fast alle meiner jeweiligen Mitschüler waren da auch nicht anders.) Freie Zeit dürfte ohne besonderen Druck (sei er intrinsisch oder extrinsisch) selten nicht als "freie Zeit" ge- und erlebt werden. Mein Gedanke nochmals, als ich das von Piazolo hörte: Wie kann der Mensch so jenseits der Wirklichkeit sein?!
Doch diesen Eindruck korrigierte ich rasch wieder, denn die Biographie und die sonstige Erscheinung des bayerischen Kultusministers brachte mich doch dazu, nach einem möglichen anderen, "wirklichen" Hintergrund seiner Aussage zu suchen. Die "beweisbare" Antwort konnte ich freilich nicht finden, nur wurde mir zunehmend klarer: Wenn ich ihm keine naive Weltsicht da unterstellen konnte / wollte, dann muß die Aussage einen anderen Kontext haben. Der Bekannte (s.o.) sprach mich ein paar Tage nach Piazolos Auftritt dann an, fragte mich, ob ich das mitbekommen hätte und meinte sofort "Wie einfältig ist denn der!". Ich anwortete ihm, daß ich anfänglich auch so vorschnell geurteilt hatte, daß aber diese Schlußfolgerung falsch sein müsse. Ich denke, die Aussage hatte einen anderen Hintergrund: sie sollte der Beruhigung der Öffentlichkeit in der ohnehin aufgeheizten Atmosphäre dienen. So eine Art von "Beschwichtigungstherapie", nicht mehr und nicht weniger.
Und was sollte auch dieses Lamentieren wegen jener zwei Tage (die Lösung hielt ich übrigens damals für sachlich geboten, nicht zuletzt um Ansteckungsgefahren zu minimieren); wie wir nun wissen, spüren, ertragen: es sind längst mehr "schulpräsenzferne" Tage geworden. Daß dafür nun in Bayern die Faschingsferien (auch wegen des enormen Ausfalls von Präsenzunterricht) gestrichen werden, paßt einigen auch wieder nicht in ihren Kram (respektive: in ihre Geistesverfaßtheit). Wahrscheinlich sind darunter einige von jenen, welche sich über den vorverlegten Beginn der Weihnachtsferien mokiert hatten...
An anderer Stelle habe ich mich ausführlicher mit Piazolo als Kultusminister beschäftigt und den Schluß gezogen: er kann in dieser Tätigkeit nur scheitern; dies nicht, weil er unfähig ist (ganz im Gegenteil!), sondern weil das System derart starr und festgefahren wirkt, weil das weite Umfeld der Bildungsinteressen (darunter leider auch eine gehörige Portion von faktischen Anti-Bildungs-Exzessen!) zu sehr jeweils partikulare Ziele verfolgt, sofern überhaupt welche an wirklicher Bildung interessierte ... Wie hatte seinerzeit der m.E. hervorragende (und konsequente!) Kultusminister Bayerns, der liberal-konservative Prof. Dr. Hans Maier (CSU), ein wirklicher Freigeist!, mit Blick auf die ministerielle Situation sich ausgedrückt: dieses Ministerium sei faktisch unregierbar und der Posten sei ein "Schleudersitz". *) Was er damit gemeint hat, läßt sich leicht denken und nachvollziehen ...
Um nochmals auf Michael Piazolo zurückzukommen: er hat einmal geäußert, seine Triebfeder in die Politik zu gehen sei u.a. der Aspekt "Wie können wir mehr Bürgerbeteiligung und mehr direkte Demokratie erreichen?" gewesen. Wer in derartigen Kategorien zu denken pflegt, zudem als erfahrener Wissenschaftler sicherlich eine relative Sicht zum Prinzip Hoffnung haben dürfte, macht es sich bei der Analyse von Wirklichkeit bestimmt nicht leicht, sondern dürfte in die Tiefe vorhandener Strukturen abtauchen! Also auch einerseits gut wissen, wie Schüler tatsächlich sind und andererseits mit welchen Aussagen man Aufwallungen des Empörens dämpfen kann ...
*) Über die Interdependenzen der schulischen Gesamtstruktur und den damit verbundenen Imponderabilien siehe auch stellvertretend für andere: Freerk Huisken, Über die Unregierbarkeit des Schulvolks, Erfurt 2007 -- eine, was die Komplexität angeht, allerdings sehr reduzierte Perspektive mit Betonung der Schülersituation als "die Verlierer" im System (Ich teile die Ansichten des Herrn hier nur bedingt, schätze allerdings seine stets kritische Analyse von Sachverhalten ).
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